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Kundenkarten: Datenschleudern oder lohnende Rabatt-Quelle?

Kundenkarten und Supermarkt-Apps - eine Gefahr für den Datenschutz?
Kundenkarten und Supermarkt-Apps - eine Gefahr für den Datenschutz?
Bild: K/Vegpool / Canva

Viele Supermärkte fragen an der Kasse nach einer Kundenkarte oder -App. Wer sie nutzt, erhält Rabatte, Coupons oder Bonuspunkte. Doch was bedeutet eine Kundenkarte für den Datenschutz?

Datenschützer warnen regelmäßig vor solchen Kundenkarten-Programmen. Manche vergleichen sie mit Datenplattformen wie Facebook oder Google.

Doch wie viel wissen Supermärkte wirklich über ihre Kunden – und ist das Datenschutzrisiko von Kundenkarten tatsächlich mit Plattformen wie Facebook oder Google vergleichbar?

Welche Daten Supermarkt-Kundenkarten wirklich sammeln

Wenn ihr eine Kundenkarte oder Supermarkt-App nutzt, wird jeder Einkauf registriert. Händler können so nachvollziehen, welche Produkte ihr im Laufe der Zeit gekauft habt.

Ein solcher Datensatz kann etwa folgende Informationen enthalten:

  • gekaufte Produkte, Produktkategorie und Preisklassen
  • Datum und Uhrzeit des Einkaufs
  • Filiale
  • Einkaufsfrequenz
  • verwendete Coupons oder Rabatte

Im Laufe der Zeit entsteht so eine umfangreiche Liste eurer Einkäufe – eine Art digitaler Fußabdruck eures Kaufverhaltens.

Wie Supermärkte aus Kundenkarten ein Konsumprofil erstellen

Ein einzelner Einkauf sagt noch wenig aus. Erst wenn Händler viele Einkäufe über längere Zeit auswerten, entstehen erkennbare Muster.

Aus solchen Trendmustern lassen sich bestimmte Gewohnheiten erkennen.

  • Ernährungsgewohnheiten (z. B. vegane Ernährung)
  • typische Einkaufszeiten und -Orte
  • Preisempfindlichkeit bei bestimmten Produkten
  • regelmäßig gekaufte Marken

Auch die Größe eines Haushalts lässt sich oft abschätzen. Wer regelmäßig große Mengen bestimmter Produkte kauft, lebt vermutlich nicht allein. Und wer häufig Hundefutter besorgt, hält wahrscheinlich ein Haustier.

Ein überraschendes Beispiel: Was Einkaufsdaten verraten können

Ein Händler stellte fest, dass bestimmte Produktkombinationen häufig in der frühen Schwangerschaft gekauft werden. Dazu gehörten zum Beispiel bestimmte Vitamine oder Pflegeprodukte für Schwangere.

Anhand solcher Muster konnte das Unternehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit erkennen, dass eine Kundin schwanger war.

Aus solchen Daten lassen sich gezielte Marketingaktionen ableiten. Eine junge Mutter könnte zum Beispiel einige Monate später einen Rabattgutschein für passende Beikost-Produkte bekommen.

Was Kundenkarten über Menschen gerade nicht verraten

Trotzdem haben Supermärkte nur einen sehr begrenzten Blick auf ihre Kunden. Und das ist der wichtigste Unterschied zu Datenplattformen wie Google, Facebook und Co.

Die Daten beziehen sich praktisch ausschließlich auf Einkäufe.

  • keine Informationen über Freundeskreise und Beziehungen
  • keine Daten über politische Ansichten, Parteivorlieben und Likes im Laufe der Zeit
  • keine detaillierten Einblicke in Hobbys oder Mediennutzung

Supermärkte erfahren zwar viel über das Einkaufsverhalten einer Person – aber relativ wenig über ihr übriges Leben.

Für Supermärkte haben Kundenkarten einen klaren Hauptzweck: Sie sollen Kunden langfristig binden – damit sie nicht zur Konkurrenz gehen.

Kundenkarten vs. Facebook und Google: Wie unterschiedlich sind die Daten?

Der Vergleich mit großen Internetplattformen ist deshalb nur teilweise sinnvoll.

Internetplattformen wie Facebook oder Google erfassen ein deutlich breiteres Spektrum an Daten – oft über viele Jahre hinweg.

  • Suchanfragen
  • Webseitenbesuche, auch über etliche Seiten hinweg
  • Standortdaten
  • soziale Kontakte
  • Interessen und Inhalte

Dadurch entstehen deutlich umfassendere Profile über Persönlichkeit, Interessen, politische Ansichten und soziale Beziehungen.

Mit statistischen Verfahren lassen sich teilweise sogar Daten über Personen berechnen, die dort gar nicht angemeldet sind.

Kritiker warnen, dass solche umfassenden Datenprofile auch für gezielte politische Werbung oder Desinformation genutzt werden können.

Im Vergleich dazu wirken Profildaten aus Supermarkt-Kundenkarten deutlich begrenzter. Sie bleiben auf einen Bereich beschränkt: den Einkauf.

Welche Vorteile Kunden durch Kundenkarten haben

Supermärkte bieten häufig Rabatte oder Bonusprogramme an, damit Kunden regelmäßig wiederkommen. Zu den Vorteilen von Kundenkarten gehören etwa:

  • Rabatte und Bonusprogramme
  • personalisierte Angebote
  • besser geplante Sortimente im Supermarkt

Supermärkte investieren viel Geld in solche Programme, weil sie sich davon eine stärkere Kundenbindung versprechen.

Kundenkarten können also tatsächlich finanzielle Vorteile haben.

Fazit: Wie gefährlich sind Kundenkarten?

Kundenkarten ermöglichen Supermärkten einen recht genauen Blick auf das Einkaufsverhalten ihrer Kunden. Viele dieser Informationen sind jedoch nicht besonders intim. Ein Teil davon ist auch im Alltag sichtbar – etwa im Einkaufswagen oder an der Kasse.

Im Vergleich zu Profilen großer Internetplattformen bleiben die Daten deutlich begrenzter. Sie betreffen vor allem Konsumgewohnheiten beim Einkauf.

Ob sich eine Kundenkarte lohnt, ist deshalb letztlich eine persönliche Abwägung. Wer Rabatte nutzen möchte, tauscht dafür einen Teil seiner Konsumdaten ein.

Wer nur bestimmte Einkäufe privat halten möchte, kann diese bar bezahlen und andere Einkäufe weiterhin über die Kundenkarte abrechnen lassen.

Veröffentlichung:

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