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„Mein Date bestellt Käsepizza – sollte ich sie trotzdem einladen?“ [Leserfrage]

Sollte man als Veganer sein Date zu Tierprodukten einladen?
Sollte man als Veganer sein Date zu Tierprodukten einladen?
Bild: K/Vegpool, KI-generiert

Das Herz will, was es will. Das erlebte auch A., dessen Leserfrage wir heute behandeln wollen.

Ich habe vor Kurzem eine Frau kennengelernt und merke, dass ich mich in sie verliebe. Wir verstehen uns sehr gut, und ich fühle mich in ihrer Nähe wohl. Sie weiß, dass ich vegan lebe, und begegnet dem offen und respektvoll. Gleichzeitig isst sie selbst noch Tierprodukte, zum Beispiel Käse oder Fleisch.

Sie hat einen Hund, um den sie sich sehr liebevoll kümmert. Deshalb habe ich den Eindruck, dass ihr Tiere wirklich am Herzen liegen. Ein Teil von mir hofft, dass sie irgendwann auch beim Essen diesen Schritt geht.

Wir sprechen manchmal über Tierschutz. Einmal sagte sie, dass sie das Thema bei Tierprodukten wahrscheinlich ein Stück weit verdrängt.

Vor Kurzem waren wir zusammen essen. Wir laden uns abwechselnd ein. Ich bestellte eine vegane Pizza, sie eine Margherita mit Käse. Diesmal war ich mit Bezahlen dran. Ich hatte vorher nicht daran gedacht, sonst hätte ich ein veganes Restaurant vorgeschlagen.

Eigentlich war es ein schöner Abend. Trotzdem beschäftigt mich die Situation seitdem. Habe ich als Veganer etwas falsch gemacht, weil ich eine nichtvegane Pizza bezahlt habe – und damit indirekt Tierleid mitfinanziert habe?

Dürfen Veganer Nicht-Veganer zum Essen einladen?

Tierprodukte zu bestellen, ist vielen Veganern unangenehm, schließlich wollen sie die Ausnutzung von Tieren nicht finanzieren. Das gilt auch für Einladungen von Gästen.

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Allerdings isst man oft spontan und plant nicht immer vorab, wer wen einlädt. Wenn ihr euch gegenseitig zum Essen einladet, ist das im Grunde so, als würde jeder sein eigenes Essen bezahlen – nur etwas symbolischer.

Solange du dein Date nicht dazu animierst, mehr Tierprodukte zu essen als zuvor, liegt die Entscheidung für die Käsepizza bei ihr.

Trotzdem solltest du das Thema einmal ansprechen, wenn du das Gefühl hast, dass es passt. Auf Dauer ist es gut, wenn ihr eure Werte kennt.

Zu deinem Wunsch, dass deine Freundin selbst Veganerin wird:

Vegane Ernährung ist meistens eine Konsequenz aus dem Wunsch, Tiere nicht ungerecht zu behandeln. Deshalb ist es besonders wichtig, dass ihr offen über eure Werte sprechen könnt. Die wichtigsten Gründe für Veganismus.

Du schreibst, dass deine Freundin nicht gleichgültig gegenüber dem Leid von Tieren wirkt, auch wenn sie die Folgen ihrer Ernährung gelegentlich verdrängt. Offen gesagt ist das sehr verbreitet – und kein Grund, eine mögliche Beziehung infrage zu stellen.

Warum Verdrängung nicht dasselbe ist wie Gleichgültigkeit

Die meisten Menschen verdrängen zwar, wie Tiere in der Tierindustrie leiden müssen. Doch es wäre falsch, das Verhalten mit Gleichgültigkeit zu erklären. Veganer und Fleischesser sind im Schnitt gleich empathisch.

Verdrängung ist kein Ja zu Tierquälerei. Sie ist eine Art moralisches Niemandsland: der Versuch, sich der moralischen Konsequenz zu entziehen, indem man nicht daran denkt.

Wäre die Annahme richtig, dass den meisten Menschen das Leid der Tiere egal wäre, könnte die Tierindustrie Kühe, Schweine und Hühner auf offener Straße schlachten, und es würde niemanden stören.

Das Gegenteil ist der Fall. Die heutige Tierindustrie basiert auf Abschottung⁣ – und zwar weil die meisten Menschen empathisch sind.

  • Einerseits pumpt die Tierindustrie Millionenbudgets in Werbung, um uns weiszumachen, dass wir Tierprodukte bräuchten, dass Tiere sich jederzeit wohlfühlen würden und dass man einfach essen solle, was einem schmeckt.
  • Andererseits schotten sich die Züchter, Mäster, Schlachthöfe und Transporteure ab und verhindern dadurch, dass Verbraucher sehen und miterleben können, was vor sich geht.

All das braucht es, weil die meisten Menschen eben keine Ignoranten sind!

Unsere Theorie ist: Menschen verdrängen, weil sie einerseits das Leid der Tiere nicht mitbekommen wollen und anderseits Angst haben, dass vegane Ernährung zu sozialem Ausschluss führt. Deshalb ist unser Vegan-Test für viele Menschen so schwer.

Das bedeutet nicht, dass die Folgen für Tiere vernachlässigbar wären. Doch es ist eine ganz andere Ausgangslage.

Dass dein Date verdrängt, bedeutet nicht, dass das so bleiben muss. Insbesondere, wenn deine Freundin sieht, dass vegane Ernährung im Alltag ganz entspannt und normal sein kann.

Solange deine Freundin deine Werte respektiert und ihr euch offen über eure Sichtweisen austauschen könnt, gib ihr Zeit, ihre eigene Entscheidung zu treffen.

Unsere Moral ist sogar genetisch in uns veranlagt. Nur Menschen mit ausgeprägten psychischen Störungen haben keine Moral. → Warum Moral kein Hirngespinst ist.

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Diskussion im Forum:
Freunde zu nicht-veganem Essen einladen?
Letzter Beitrag: 19. Jul. von Pee-Bee.

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