Getreidekrise? Als ob...

Erstellt 14.03.2022, von kilian. Kategorie: Vegpool aktuell. 21 Antworten.

29.03.2022
Die Ernährungswende wird nicht dadurch geschafft, dass wir den Leuten das Fleischessen verbieten. Die wird dadurch geschafft, dass alternativen gefördert und Fleisch verknappt und dadurch verteuert wird. Es gibt in dieser Koalition bei diesen Mehrheitsverhältnissen keine Möglichkeit für grüne Politiker, die "reine vegane, oder auch nur Klimaschutz-Lehre" durchzusetzen, insbesondere dann nicht, wenn massiv Widerstände von Seiten der Agrarlobby via FDP und SPD alles bereits im Koalitionsvetrag so verhindert haben, was da eigentlich mit hinein gehört hätte.


Dies ist ja auch der Grund, weshalb ich für mehr grüne Stimmen geworben hatte. Da wurde dann aber - mal wieder - für Kleinstparteien geworben, die ihrerseits außer dem Stimmenverlust und der deswegen geringeren Durchsetzungsfähigkeit der Grünen rein gar nix in Sachen Klima- oder Tierschutz beigetragen haben. Dafür jetzt den Grünen ebendieses deshalb schwächere Ergebnis und die daraus resultierende schwache Position n der Koalition vorzuhalten, als wären sie willfährige Dienstleister für die Tierleidindustrie ist ziemlich billiges Grünen-Bashing. Nach dem Motto: Oma die Treppe runter schubsen, dann hinterher rufen "Oma, weshalb rennst Du so schnell?" Interessanterweise werden Politiker der anderen Parteien dafür nicht negativ bewertet.. Hier: Die Grünen nicht zur Wahl empfehlen(nicht und/oder andere Parteien wählen), sich dann aber darüber beklagen, dass sie wegen des schwachen Wahlergebnisses nicht alle meine Ziele durchsetzen können, bzw. sogar einige Maßnahmen mittragen müssen, die ihnen zutiefst zuwider sind... (Gilt übrigens analog für die irrsinnigen Milliarden für die Rüstung)

Dennoch ist klar, die derzeitige Lage bringt es mit sich, dass die wirklich notwendigen Maßnahmen in den Hintergrund getreten sind und der Klima- und Tierschutz wider besseres Wissen in den Hintergrund tritt. Hoffe sehr, dass dies nur vorübergehend ist und die geschützten Flächen alsbald wieder in Ruhe gelassen werden, anstatt sie weiter für Tierfutteranbau zu missbrauchen. Die größte Menge an gentechnikfreiem Bio-Tierfutter kam bisher aus der Ukraine.


Um so besser, dass in den entsprechenden Ministerien grüne Politiker sind, dazu noch einige bei der SPD Politik machen, die sich nicht ganz von ihren Zielen verabschieden und weiter für den Klima- und für mehr Tierschutz auch und gerade in der Tierleidindustrie, aber auch bei der Jagd, Tierversuchen und anderen tierleidbezogenen Themen einsetzen.

Deshalb stimme ich nicht so verallgemeindernd ein, dass "die Politiker" industrielobbygetrieben Politik machen und lediglich willige Erfüllungsgehilfen industrieller Interessen sind.

Real durchsetzbare Politik ist in den Grenzen der wahlergebnisgetriebenen Koalitionsverträge, der inneren und äußeren Bedingungen ein sehr hartes Stück Arbeit und mit vielen teils sehr frustrierenden Ergebnissen gespicktes Verfahren, bei dem ich persönlich froh bin, dass die entscheidenden Ministerien grün besetzt sind und viel verhindern bzw. trotz allem voranbringen, was bei anderer Konstellation ganz anders aussehen würde - da bin ich sicher.
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29.03.2022
Aus einem Änderungsantrag der Grünen in Berlin. Ob der angenommen wird, hängt auch davon ab, wieviele Menschen mit Bewusstsein für die Problematik in der Partei engagieren...

"Neben der kurzfristigen Hilfe müssen wir aber auch die aktuelle Agrar- und Ernährungspolitik überprüfen, denn die Bedeutung von Ernährungssouveränität und nachhaltiger Ernährungssysteme tritt jetzt besonders deutlich zu Tage. Rund zwei Drittel der EU-Getreideproduktion ist für Tierfutter bestimmt und allein in Deutschland werden auf etwa 500.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche Agrar-Treibstoffe angebaut. Die Landwirtschaft in Deutschland und der EU muss unabhängiger von energieintensiven Produktionsmitteln wie etwa Pestiziden und Düngemitteln werden. Die Nutzung der vorhandenen Flächen muss effizienter auf die Ziele der menschlichen Ernährung, aber auch den Klima-, Arten- und Tierschutz bei gleichzeitiger langfristiger Perspektive für Bäuer*innen ausgerichtet sein. Die angedachten Schritte im europäischen „Green Deal” und der „Farm to Fork”-Strategie sind dringlicher denn je, da ein nachhaltiges und gegenüber Krisen robusteren Ernährungssystem notwendig ist. Eine wichtige Konsequenz der angespannten Lage auf den Agrarmärkten und die befürchteten Hungerkrisen muss die deutliche Reduktion der Tierbestände, verbunden mit einer Ernährungsstrategie und der Stärkung pflanzlich betonter Ernährung sein: Getreide für Brot, statt Getreide in den Trog."

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