Bemerkenswert finde ich bei dem Thema die Diskrepanz zwischen der Gesinnungsebene und der Sachebene.
Ich denke nicht, dass das UL für mich angenehm wäre. Aber ich glaube schon, dass es das für andere Menschen sein kann.
Die Theorie, dass Menschen grundsätzlich Freiheit und Ungebundenheit wollen, ist, glaube ich, falsch.
Gott liebt bekanntermaßen Büßer, und was könnte sich besser anfühlen, als der Gedanke, von Gott auserwählt zu sein, indem man sich besonders strengen Regeln unterwirft?
Freiheit ist am Ende nur das Fehlen von Vorgaben. Das muss nicht gut sein.
Veganer "berauben" sich ja auch freiwillig der Freiheit, alles zu essen. Und trotzdem ist es eine prima Sache, die sich super anfühlt. Ist Freiheit also das ultimative Ziel?
Solche Einzelberichte beeindrucken mich im ersten Moment schon (das intuitive "System 1" mag Gesinnungs-Geschichten). Doch als Veganer bekommt man oft genug mit, wie sich Debatten um einzelne, unbedeutende Pseudofakten drehen (z. B. Aussteigerberichte), dass man einfach lernt, sowas bewusst zu hinterfragen.
Also könnte man sich bewusst fragen: Stimmt das? Habe ich alle Fakten, die ich benötige? Was bräuchte ich, um beurteilen zu können, wie das UL wirklich drauf ist.
Man müsste allerwenigstens wissen, wie viele Anhänger es überhaupt gibt und ob die geschilderten Methoden gängig sind. Zudem müsste man diese Daten auch zu den Alternativen haben (normaler Einzelhandel: Stecken da Kirchen dahinter, die Missbrauchsfälle hatten? Sterben da Tiere? Was gewichten wir höher und warum?)
Was wir an einigermaßen belastbaren Fakten haben, ist, dass das UL (offenbar) eine umweltschonende und tierfreundliche Landwirtschaft betreibt, die es sonst wahrscheinlich nirgends gibt. Und sie sind schon lange dabei, haben also Erfahrung.
Doch das scheint viele nicht zu beeindrucken!
Ein dumpfes Bauchgefühl von System 1 (Gesinnungsebene) sticht die viel belastbare Sachebene (System 2) vollkommen aus - und reicht vielen sogar aus, um das UL zu beschimpfen. Mir damals auch. 😒
Und das, obwohl es nicht schwer wäre, zu erkennen, dass die nötigen Daten fehlen.
Das Spannende daran ist, dass diese Horrorschilderungen bei uns in der Szene durchaus Aufmerksamkeit bekommen haben. Diejenigen, die sie verbreitet haben, profitierten selbst davon. (Durch soziale Reputation in der Gruppe = man bekommt Aufmerksamkeit und Anerkennung).
Deshalb habe mich vor zig Jahren aus der Szene verabschiedet (müsste mal einen Aussteigerbericht schreiben, falls ich das nicht schon gemacht hab 😄).
Wer Tieren helfen will, braucht einen besseren Maßstab als den Applaus aus der Szene.
Ich halte die UL-Kritik mittlerweile für Gruppenzwang und glaube, dass Teile der veganen Bewegung tatsächlich ein Gesinnungsproblem haben.
Leider habe ich mich lange genug daran beteiligt. Das tut mir heute leid.
Eben habe ich die Höfe-Übersicht um das UL ergänzt. Hatte ich damals vergessen.
https://vegpool.de/magazin/bio-vegane-hoefe.html
In der Übersicht gibt's auch mindestens einen Hof mit Getreide, das ohne Gülle erzeugt wird (nicht UL, soweit ich sehe!)