Natürlich, vegan nicht möglich?

Erstellt 22.09.2019, von Herwig. Kategorie: Gesund vegan leben. 32 Antworten.

Natürlich, vegan nicht möglich?
22.09.2019
Grüß Euch!

Vor ein paar Jahren schon mal und jetzt wieder setze ich mich vor den Computer und versuche eine "pflanzenbasierte" Ernährung zusammenzustellen, die folgenden Kriterien entspricht:
1.) möglichst viel vegan/möglichst wenig tierisch.
2.) keine Einnahme von Supplementen oder künstlich angereicherten Lebensmitteln.
3.) Abdeckung aller nötigen Nährstoffe. (auch wenn bei uns im Winter einmal 2 Monate die Sonne nicht durchkommt aufgrund der Hochnebeldecke)

Ich bin beide male stundenlang gesessen und hab versucht mithilfe von Empfehlungen der DGE und dem Nährwertrechner.de eine Nahrungsmittelzusammensetzung für eine Woche zusammenzustellen, von der ich mir denken, dass ich das realistisch essen könnte, im Durchschnitt, Woche für Woche.

Das Ergebnis: An zusätzlich notwendigen tierischen Produkten, die ich nicht weiter reduzieren konnte, ohne einen Nährstoff ins Defizit fallen zu lassen, ergaben sich:
- 600g Forelle (Hauptgrund: B12)
- 250g Camembert (Hauptgrund: B2)
- 7 Eier (Hauptgrund: B2)
- 100g Bergkäse (Hauptrund Kalzium)

Ich habe an veganer Produkten diesem Plan zugefügt: Linsen, Bohnen, Erbsen, Brokkoli, Blumenkohl, Karotten, grüne Bohnen, Graubrot, Erdnüsse, Walnüsse, Paprika, Reis, Kartoffel, Vollkornteigwaren, Haferflocken, Mandeln, Mohn

Was meint ihr dazu? Ist es eben so, dass man mit dem Ausmaß der tierischen Produkte nicht weiter runter kommt, ohne zu supplimieren?
Falls ja, wäre das für mich ein extrem starker Hinweis, dass wir von Natur aus auf zumindest geringe Aufnahme tierischer Produkte (im oben dargestellten Ausmaß) ausgelegt sind.

Freundliche Grüße!

Herwig

1x bearbeitet

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22.09.2019
Herzlich willkommen. Herwig.

Vegan ohne B12-Supplementierung halte ich für nicht möglich. Ich habe aber keine Probleme damit, B12 inform von Tropfen zu nehmen. Warum auch? Aufgrund einer durchgemachten Hautkrebserkrankung muss ich die Sonne, wenn es geht, meiden. Dadurch habe ich einen chronischen Vitamin-D-Mangel, den ich ja auch wie selbstverständlich inform von dauerhafter Medikation behebe.

Ich bin Vegetarier/Veganer aus ethischen Gründen, weil ich finde, dass wir Menschen kein Rest haben, den Tieren ihr Lebensrecht zu nehmen, und weil mir die Nutztiere leid tun, und weil die Nutztierhaltung diesen Globus in Grund und Boden rammt. Und da steht das "Unnatürliche" einer Supplementierung an allerletzter Stelle.

Aber das ist natürlich meine Einstellung. Und für mich wäre Essen auch kein Genuss mehr, wenn ich derart "nach Tabelle" leben würde (kleine ironische Frage: Ist DAS "natürlich"? ;-) ).
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22.09.2019
Hallo und willkommen hier im Forum.

Für B2 gibt est mehrere pflanzliche Lebensmittel. (Mandeln, Champigons, Austernpilze, Chasews, Hefeflocken, Sojabohnen, Brokkoli, Grünkohl, Spinat, Erdnüsse, Haselnüsse, Avocado, Linsen, Mungobohnen, Haferflocken, Walnüsse, Rosenkohl, Rote Paprika)
Kalzium gibt es in Sesam, Chia, je nach Marke auch Mineralwasser, Mandeln, Haselnüsse, Grünkohl, Leinsamen, Rucola, Pistazien, Paranüsse, Spinat, Sojabohnen, Walnüsse, Amaranth, Kolrabei, Haferflocken, Basilikum, Kürbiskerne, Bananen, Äpfel.

B12 ist der einzige tatsächliche Nährstoff der supplementiert werden sollte. Ein Mangel kann hier wirklich schwerwiegende Folgen haben. Man muss zum B12 aber auch wissen, dass es den Tieren auch ins Futter gemischt wird. Wirklich viel B12 findet sich auch eher in Innereinen, was immer weniger gegessen wird. Früher haben wir unseren Bedarf vermutlich auch über Lebensmittel und Wasser bekommen, das nicht ganz sauber war, denn B12 wird von Mikroorganismen gebildet. Vieles beeinträchtigt auch den Bedarf an B12, was dazu führt das viele Menschen einen Mangel haben und supplementieren sollten. Das sind nicht alles Veganer und Vegetrarier.
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22.09.2019
Hallo!
Danke für deine Antwort! Ich hätte nicht unbedingt vor Woche für Woche nach dieser Tabelle zu leben. Aber ein Check im Vorhinein sollte mir schon zeigen können, dass es realistisch möglich ist nach einer Ernährung X ohne Mangelerscheinungen zu leben. Über Ethik könnte man lang und breit philosophieren, soll jetzt aber nicht Teil dieses Threads sein. Meine Meinung dazu kurz: Ich habe keine ethischen Probleme, Tiere zu essen, die leidlos lebten und starben. Alles andere sollte soweit möglich, vermieden werden.

Wie stellst du eine Kalziumversorgung von 7000mg Woche sicher?

LG, Herwig
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22.09.2019
Für mich steht "so ethisch wie möglich" über "so natürlich wie möglich". Erstens, weil man bedenken muss, dass wir Menschen sowieso nicht mehr natürlich leben und zweitens, weil auch nicht alles Natürliche automatisch besser ist als künstlich Hergestelltes.
Wenn du dir dann anguckst, wieviel "Unnatürliches" (und auch Schädliches) in der Forelle so wäre, solltest du dir schon sehr genau überlegen, ob du nicht lieber schadstofffreies/antibiotikafreies/tierleidfreies B12 supplementierst.
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22.09.2019
Zitat Herwig:keine ethischen Probleme, Tiere zu essen, die leidlos lebten und starben.


Tja. Das gibt es halt nicht. Nutztierhaltung ohne Leid ist definitiv nicht möglich. Aber dazu ist hier im Forum schon so viel geschrieben worden, da findest Du ganz viele Hinweise zu.

Wie stellst du eine Kalziumversorgung von 7000mg Woche sicher?


Ich esse sehr viel Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte und Getreide, trinke Soja- und andere Pflanzenmilch, sowie ein mineralienhaltiges Mineralwasser, und käme wirklich niemals auf die Idee, auszurechnen, wie viele Nährstoffe ich damit nun zu mir nehme ... Vielleicht können andere Forumteilnehmer Dir da was Konkreteres sagen.
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22.09.2019
Welche humane Schlachtmethode gibt es denn? Ich glaube kein Tier geht freiwillig auf den Transporter. Leidlos leben und sterben gibt es nicht in der Massentierhaltung. Bio ist ein bisschen besser, aber spätestens im Schlachthof ist dieser Unterschied vorbei. Wie viele Tiere sind es die nicht richtig betäubt werden, was das über das Wort Betäubung verdient? Nachdem ich Tiere essen gelesen habe, habe ich mir darüber Gedanken gemacht. Ich wußte vorher schon, dass es immer wieder passiert. Nur die Frage was genau, das eigentlich bedeutet habe ich mir vorher nicht gestellt.
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22.09.2019
Hallo Herwig, auch von mir ein herzliches willkommen.
Erzähl mal ein bischen von dir, aus welcher Ecke kommst du, welche Altersliga, gibts in deiner Familie/Umfeld Veganer ?
Die DGE stellt die vegane Ernährung als ungesund oder gar gefährlich da. Es ist nach meiner Ansicht ein Interessengesteuerter Verband, am besten die " Informationen " dieses Vereins meiden ! Was ich dir als Neuling emphehlen kann:
https://www.provegan.info/de/
Kannst du so lesen oder kostenlose Broschüre bestellen.
Da steht auch ein Erfahrungsbericht übers " humanitäre Schlachten " drin.
Außer B12 als Kapsel nehme ich auch nichts zusätzlich, ich glaube für den Rest sorgt die Natur - wenn mans richtig anpackt.



1x bearbeitet

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22.09.2019
Hallo Herwig,
erstmal herzlich willkommen bzw. wiederkommen hier !

Man kann doch auch verkürzt mit einem Sprichwort sagen:
Was Du nicht willst , das man Dir tut, das füge auch keinem anderen ( Lebewesen) zu !

so dann kann Frau/Mann mal überlegen, ob man selbst geschlachtet werden will- egal welch ein Leben man hatte ! Oder ob frau zustimmt, dass sie jedes Jahr geschwängert wird und ihr dann ihre Kinder weggenommen werden, damit man ihre Milch z.b. für andere Lebewesen verkaufen kann. Und wenn sie zu alt wird, dann geschlachtet wird.....

Übrigens was die DGE betrifft, schau Dir lieber mal an, was die ADA empfiehlt:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19562864/

Was ich Dir noch empfehlen kann ist das Buch von Nico Rittenau:"Vegan Klischee ade"
lieben Gruß
METTA

Mögen alle Wesen frei sein von Leiden und Glück erleben ( Siddartha Gautama)
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22.09.2019
Hi Herwig,
herzlich willkommen hier im Forum!
Zitat Herwig:Meine Meinung dazu kurz: Ich habe keine ethischen Probleme, Tiere zu essen, die leidlos lebten und starben.

Ich denke, die meisten Veganer sehen das ebenso.
Die philosophische Komponente ("gar keine Tiere niemals nie") kommt oft erst später dazu... nämlich dann, wenn sie immer wieder feststellen, dass es das leidfreie Tierprodukt auf dem Markt einfach nicht gibt. Es ist einfach nicht existent. Und daraus ergibt sich oft, dass es leichter ist, hier ein Prinzip zu entwickeln ("keine Tierprodukte") als ständig "Ausnahmen" zu suchen und dann irgendwann festzustellen, dass die Kühe, die da auf dem Biohof so idyllisch im Stroh stehen eben auch ihre Kälbchen verlieren und keine intakte Herdengefüge haben und alle nur ein paar Jahre alt werden...

Auf Vegpool haben wir diesen Artikel dazu: Ist vegane Ernährung natürlich?
https://www.vegpool.de/magazin/vegane-ernaehrung-natuerlich.html

Wichtiger als die "Natürlichkeit" finde ich heute die Nachhaltigkeit.
2x bearbeitet

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