Warum "Ich weiß es nicht" manchmal eine gute Antwort ist

Erstellt 07.02.2022, von kilian. Kategorie: Allgemein vegan. 8 Antworten.

Warum "Ich weiß es nicht" manchmal eine gute Antwort ist
07.02.2022
"Was würdest du als Veganer tun, wenn du mit deinem Hund auf einer einsamen Insel wärst..."
Diese Frage hat meistens keine Antwort verdient, weil sie nur provozieren soll.
Aber es gibt auch Diskussionen, bei denen "Ich weiß es nicht" eine gute Antwort sein kann.
https://www.vegpool.de/magazin/ich-weiss-es-nicht-gute-antwort.html
Mir gehts manchmal bei Gesprächen über den Verzehr von Insekten so...
Hand aufs Herz: Bei welchen veganen Rand-Themen seid ihr euch nicht so ganz sicher?
2x bearbeitet

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07.02.2022
Ich mag es, wenn mir spannende Fragen, zu denen ich keine Antwort habe, online begegnen. Da fühle ich mich immer gleich zur Recherche eingeladen und kann im besten Fall etwas dazulernen. Und dann weiß ich es vielleicht doch, wenn mal offline jemand fragt.
Manchmal hab ich mir aber auch auf der Grundlage von gelesenen Argumenten eine Meinung gebildet, und dann aber im Laufe der Zeit die Argumente und Fakten dazu wieder vergessen. Dann bleibt leider auch nur "ich weiß es nicht mehr" als Antwort.
Wenn daraufhin meine Meinung allerdings als unbegründet abgetan und das Thema abgehakt wird, statt um Auffrischung der Begründung zu bitten, dann weiß ich, dass der Gesprächspartner eh nicht zu einer ergebnisoffenen Meinungsbildung bereit war und ich dann auch mit dem besten abrufbaren Faktenwissen nichts hätte ausrichten können. In dem Fall ist es dann auch gut, wenn man sich die Mühe gespart hat. ;-) Zu den Themen Veganismus und/oder Klimawandel passiert das leider eher häufig.

Wenn ich die Frage, ob Bienen leiden, wenn man ihnen den Honig klaut, oder ob Würmer Schmerzen empfinden können, nicht beantworten kann (Tierleid also nicht bewiesen ist), gibt es aber darüber hinaus trotzdem häufig Argumente, die gegen jede Tiernutzung sprechen (Ökologie, Artenvielfalt, geringere Effizienz im Vergleich zu pflanzlicher Ernährung etc.).
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07.02.2022
Ob Würmer oder Bienen nun real leiden, oder ob ihr sich gegen das Töten wehren eher wie bei Pflanzen als Reflex geschieht, muss ich gar nicht wissen, sobald ich allen Tieren das gleiche Recht auf körperliche und psychische Unversehrtheit zubillige, wie den menschlichen Tieren ja auch ganz selbstverständlich.


Dann veht es eher um Grenzziehungen. Das führt immer wieder mal zu sehr seltsamen Argumentierereien wie: "Pflanzen haben auch Empfindungen, dürfen wir die dann auch nicht mehr essen?" Usw.

Da entgegne ich gerne, dass es doch gerade dann sinnvoller ist, durch vegane Ernährung um den Faktor sechs geringeres Leid durch die eigene Ernährung anzuruchten, als duch die tierleid basierte...

Meine persônlichen Grenzbereiche sind vor allem Medikamente, die ich nehme, weil ich sonst zwar nicht sterbe, aber ohne die meine Lebensqualität massiv eingeschränkt wäre. Oder lasse ich mich nur von Ärzten behandeln, die nie an einem toten Tier geübt haben? Was, wenn ich mit einer Katze drei Wochen in einem Fahrstuhl eingesperrt wäre? Antwort: Einer von uns beiden wird irgendwann mal satt geworden sein...

Oder kaufe ich vegane Produkte, die von einer Fleischfabrik auf den Markt gebracht werden?

Sind Impfungen, die mit Eiern hergestellt und an Tieren getestet werden für Veganerinnen in Ordnung?


Falls ich je an einem Tumor erkranke, verzichte ich auf Therapie, weil ich weiß, dass die zuvor im Tierversuch an Primaten entwickelt wurden und die Tiere allesamt getötet wurden?

Da gibt es viele solche und ähnliche Fragen, auf die es nicht immer befriedigende Antworten gibt.

Das kann aber eben kein Argument dafür sein, ohne Not einfach zu erreichende Vermeidung von Tierleid und Tiertod nun nicht erreichen zu wollen.
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07.02.2022
Mich regen Leute auf, die gern philosophisch daherkommen und dann mit Mikrobiologie etc. argumentieren und meinen "Leben verursacht immer Leid und Tod, also ist es egal, ob man versucht Leid zu verhinden". Dagegen kann ich im Grunde auch nichts Gegenteiliges liefern, denn wenn man selbst Bakterien etc. als Lebewesen nimmt, dann enstpricht das nunmal der Wahrheit.
Jedoch zeigt mir so eine Argumentationskette, dass diese Person wenig emotionale Intelligenz und evtl. keine Empathie besitzt. Weil alle Lebewesen (inklusive Pflanzen etc.) möglicherweise fühlen/leiden, obwohl das noch nicht ausreichend wissenschaftlich erforscht ist, soll man Tiere, die schreien und sich aktiv gegen ihre Tötung wehren, einfach weiter misshandeln und essen, obwohl wir tierische Teile nicht mal mehr zum Überleben brauchen und es nur noch aus Gewohnheit und Geschmack tun.
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08.02.2022
Hallo,
wenn ich mit meinem Hund auf einer einsamen Insel wäre, dann käme ich genau so wenig auf die Idee den zu essen wie auf die Idee einen anderen Menschen zu essen mit dem ich auf der Insel gelandet wäre. Gäbe es auf der Insel kein Süßwasser würde ich sowieso eher verdursten als verhungern und wenn doch, dann gäbe es auch essbare Pflanzen.
Die Frage ist superleicht zu beantworten.
Allerdings wenn man etwas nicht weiß, dann sagt man eben das man es nicht weiß, das ist doch oft im Leben so, oder nicht?
Mit Veganismus hat das nicht speziell was zu tun, finde ich.

Liebe Grüße,
schoko-oma
1x bearbeitet

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08.02.2022
Zitat schoko-oma:Hallo,
wenn ich mit meinem Hund auf einer einsamen Insel wäre, dann käme ich genau so wenig auf die Idee den zu essen wie auf die Idee einen anderen Menschen zu essen mit dem ich auf der Insel gelandet wäre. Gäbe es auf der Insel kein Süßwasser würde ich sowieso eher verdursten als verhungern und wenn doch, dann gäbe es auch essbare Pflanzen.
Die Frage ist superleicht zu beantworten.
Allerdings wenn man etwas nicht weiß, dann sagt man eben das man es nicht weiß, das ist doch oft im Leben so, oder nicht?
Mit Veganismus hat das nicht speziell was zu tun, finde ich.

Liebe Grüße,
schoko-oma


Eigentlich nicht, aber viele Nicht- oder Antiveganer versuchen einen Veganer halt fest zu nageln mit bestimmten Aussagen, die ihnen bei anderen Nichtveganern wahrscheinlich egal wären.
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08.02.2022
Zitat schoko-oma:Hallo,
wenn ich mit meinem Hund auf einer einsamen Insel wäre, dann käme ich genau so wenig auf die Idee den zu essen wie auf die Idee einen anderen Menschen zu essen mit dem ich auf der Insel gelandet wäre.


Du vielleicht nicht, ich wäre mir da keineswegs sicher. Der Selbsterhaltungstrieb ist nenen der Sexualität das Stärkste in uns, was es gibt.

Im 30jährigen Krieg wurden Leichen aus Gräbern geholt und vertilgt, weil buchstäblich nichts Essbares mehr verfügbar war. Haben sicher nicht alle gemacht, aber das hat es, glaubt man den Historikern, gegeben.

Oder man erinnere sich an die Fußballmannschaft, die in den Anden mit einem Flieger abstürzte und ihre verstorbenen Kameraden gegessen haben, nachdem alle Vorräte aufgebraucht waren ...

Ansonsten halte ich solche Fragestellungen generell für sehr unseriös, denn wer weiß schon unter normalen Bedingungen, wie man sich in Extremsituationen verhält.

Bert Brecht brachte das auf eine kurze Formel:
"Erst kommt das Fressen, dann die Moral."

Veganes Leben ist immer der Versuch, sein Leben komfortabel zu gestalten, möglichst ohne Schaden anderen Lebewesen zuzufügen. Das gilt eben auch für Pflanzen. und ist unter dem Strich immer die bessere, weil umwelt- und tierfreundlichere Art zu leben.


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09.02.2022
Super interessanter Thread, danke!

Ich sehe es tatsächlich grundsätzlich so wie bereits erwähnt: Solange industrialisierte Tierhaltung der Standard ist, kann es hin und wieder bereichernd sein, sich mit Grenzbereichen zu befassen, man sollte sich aber nicht daran aufreiben oder gar daran festnageln lassen.


So gibt es auch in der Natur sehr viel Leid und grausamen Tod. Wenn ein Wolf ein kleineres Säugetier erwischt, dann ist das für die Beute ganz furchtbar. Trotzdem findet das Ganze jenseits von Moral statt. Das wird gerne hin und wieder gegen Vegetarier angebracht: dass in der Natur auch ständig Tiere zur Beute werden. :rolleyes:
Ganz selten kann man sich Situationen vorstellen, in denen ein Mensch mal tatsächlich zum Raubtier werden kann: Irgendwie in der Wildnis gestrandet und im Überlebenskampf. Wenn so jemand sich eine Angel bastelt und tatsächlich einen Fisch fängt, dann sehe ich es so, dass diesen Fisch nunmal ein typisches Schicksal seiner Art ereilt hat- ob er nun am Ende in einer Möwe, einem größeren Fisch oder in einem Menschen gelandet ist.
Entscheidend finde ich jedoch, anzuerkennen, wie selten so eine Situation ist. Sie ist absolut nicht zu vergleichen mit unserem alltäglichen Leben. Daher sollte man sich solche Vergleiche einfach verbitten.


Ein anderer Grenzbereich ist diese neulich erstmals erfolgte Herztransplantation von Schwein zu Mensch. Irgendwie unheimlich. Und skandalös, dass die Notwendigkeit aus mangelnder Transplantationsbereitschaft entsteht.


Aber irgendwo habe ich eine ziemlich unüberlegt geäußerte Meinung dazu gehört, wie unmöglich sowas sei, irgendwann stürbe man eh, und dann müsse man eben einsehen und sich damit abfinden, wenn man dran ist, statt jetzt zum Schweineherz zu greifen.
So eine Ansicht ist m.E. einfach nur unmenschlich. Diese Person hätte hier besser „ich weiß es nicht“ geäußert.
Ich selber finde an dieser Stelle gezielten Whataboutism durchaus angebracht: Solange zig Millionen Schweine unter übelsten Bedingungen gehalten, geschlachtet und einfach nur gegessen werden, ist man noch lange nicht soweit, dass man das Wort über den erheben könnte, der sich ein Schweineherz hat transplantieren lassen.



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10.02.2022
"informiere dich selbst." Ist immer eine Antwort von mir.
Oder ich stelle die selbe Frage zurück :lol: auch ganz lustig.
Oder mache eine bewusste Denkpause und meistens interessiert sie nur Provokation, weshalb sie dann oft aufhören oder andere dann reden.

Niemand kann alles wissen.
Drum ja, "ich weiß es nicht" gefolgt von einem gelangweilten Schulterzucken und abwenden :thumbup:
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