"Vegane Jobsuche"

Erstellt 29.07.2016, von mulan. Kategorie: Allgemein vegan. 24 Antworten.

"Vegane Jobsuche"
29.07.2016
Hallo liebe Leute,


was bleibt mir übrig zu tun/ zu arbeiten, in einer Gesellschaft, die sich um den Menschen dreht?


Seit ich vor einem Jahr über den Veganismus gestolpert bin, habe ich ein riesen Problem mit unserer Gesellschaft... Alles dreht sich um den Menschen, ohne Rücksicht auf Tiere, Pflanzen oder die Gesundheit unseres Planeten im Allgemeinen.
Ich empfinde es schon als schwer weiterhin in diesem System zu leben, geschweige denn einen Beruf zu erfassen, der Menschen in ihrem Tun unterstützt. Bis dato wollte ich einfach irgendeine Karriere verfolgen, bei der ich "benachteiligten" Menschen helfen kann. Das möchte ich jetzt nicht mehr, weil Menschen schon genug geholfen wird und es in Deutschland eigentlich niemanden gibt, der wirklich Hifle braucht.


Außer dem Studiengang Biologie - mit dem ich später in einem Job wieder für irgendeinen Riesenkonzern arbeiten würde - fällt mir nichts ein, was sich nicht ausschließlich um Menschen dreht. Eine Karriere ist mir nicht wichtig und nur nebensächlich im Leben, aber irgendetwas würde ich doch gern lernen und tun.
Was sind eure Ideen dazu?
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29.07.2016
Hallo, Mulan!
Du könntest im Internet nach Tierrechtsorgas suchen und schauen, ob sie Jobs anbieten. Irgendwann bin ich mal über so eine Stellenanzeige gestolpert. Oder du schaust bei den Tierschutzvereinen. Oder bei den veganen Onlineshops zb.
Ich kann deine Gedanken gut nachvollziehen, denn auch ich habe große Probleme mit unserer Gesellschaft. Mein Job unterstützt zwar keine Tierquälereien, aber meine Chefs zb sind Jäger und Angler und gerade der eine hat eher einen zweifelhaften Charakter. :evil:
Über manche Dinge muss man hinwegsehen bzw akzeptieren, dass es so ist wie es ist. Dafür mach ich eben in meinem Privatbereich null Kompromisse, was meinen veganen Lebensstil betrifft.
Ich wünsche dir, dass du etwas finden wirst, was du mit deinem Gewissen vereinbaren kannst.
Lg Moni
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29.07.2016
Hallöchen. Ich stimme all dem zu. Mir geht es absolut genauso. Ich hab damit auch wahnsinnige Probleme. Hat ich in gewissem Masse schon immer, auch vor der Umstellung . Da ich schon immer ein Mensch war, der nicht von der Gesellschaft abhängig sein wollte und und und. Aber seit der Umstellung ist das noch viel extremer. Ich frag mich auch wie es denn weiter geht. Welcher Job kommt dann in Frage usw.
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29.07.2016
Vielleicht auch mal in ein anderes System reinschnuppern? Ein Jahr ins Ausland (nicht westeuropäisch oder nordamerikanisch) und dort Tieren oder Menschen helfen (Bäume pflanzen, Brunnen graben, Wildtiere aufpäppeln etc.). Manchmal hilft ein anderer Blickwinkel. Und vielleicht lernt man dann unser System, so verbesserungswürdig es auch sein mag, mehr zu schätzen und sinnvoll zu nutzen (Stichwort "Effektiver Altruismus)? Oder eben alternativ ein Leben außerhalb unseres Systems zu führen, was mit all seinen Vor- und Nachteilen besser zu einem passt.
Ein Internetbekannter (deutsche Wurzeln) zieht es vor, in einem Land zu leben, in dem es normal ist, jeden Tag erschossen werden zu können. Dafür schreibt man ihm dort nicht die Farbe seiner Dachziegel vor.
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29.07.2016
Danke, Moni, für die Antwort. Vor allem das "über manche Dinge muss man hinwegsehen" hat mir einen guten Denkanstoß gegeben.

Santiagoevil, ich bin beruhigt, dass es nicht nur mir so geht. Ich finde die Gesellschaft anderer Menschen aber eigentlich sehr wichtig und gerade deshalb ist es eben schwer mit Menschen umgehen zu müssen, die ihre Augen vor so schrecklichem verschließen. Was machst du denn im Moment?

Lieber Sunjo, vielleicht hast du mich etwas falsch verstanden. Das System in Deutschland finde ich im Vergleich zu so ziemlich jedem anderen Land noch vorbildlich. Ich kann mich unglaublich glücklich schätzen hier geboren zu sein und auch all die Regeln, Vorschriften und die Bürokratie führen zu Vorteilen, die ich nicht missen möchte (Das heißt nicht, dass ich nicht auch woanders leben könnte oder wollte.).
Mir geht es eher um den Menschen im Allgemeinen, der sich weder in Südostasien, noch in Mitteleuropa oder in Guatemala stark voneinander unterscheidet. Eine Karriere anszustreben, bedeutet eben auch, sich in ein System einzugliedern, in dem der Mensch sich als der Mittelpunkt von allem sieht.
1x bearbeitet

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30.07.2016
Im Moment bin ich wieder auf der Job suche. :D
Mal sehen was sich so ergibt. Was machst du denn Momentan?
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30.07.2016
Zitat mulan:
Lieber Sunjo, vielleicht hast du mich etwas falsch verstanden. Das System in Deutschland finde ich im Vergleich zu so ziemlich jedem anderen Land noch vorbildlich. Ich kann mich unglaublich glücklich schätzen hier geboren zu sein und auch all die Regeln, Vorschriften und die Bürokratie führen zu Vorteilen, die ich nicht missen möchte (Das heißt nicht, dass ich nicht auch woanders leben könnte oder wollte.).
Mir geht es eher um den Menschen im Allgemeinen, der sich weder in Südostasien, noch in Mitteleuropa oder in Guatemala stark voneinander unterscheidet. Eine Karriere anszustreben, bedeutet eben auch, sich in ein System einzugliedern, in dem der Mensch sich als der Mittelpunkt von allem sieht.

Ich stimme dir nicht zu, dass in Deutschland kein Mensch wirklich Hilfe braucht. Aber im Vergleich zu wirklich armen Ländern kann man in Deutschland mit gleichem Aufwand weniger erreichen.
Der zweite Punkt ist, dass man allein dadurch, dass man in Deutschland lebt, beim ökologischen Fußabdruck schon einen Sockelbeitrag bekommt, der deutlich über denen armer Länder liegt (mit unserer auf den Menschen konzentrierten Infrastruktur schaden wir der Natur - es kann also durchaus sinnvoll sein, darauf zu verzichten).
Mein dritter Punkt (Effektiver Altruismus) ist, dass man innerhalb unseres Systems verschiedene Wege gehen kann. Einer, den du anzustreben scheinst, ist ohne großartige Karriere einfach nur möglichst wenig Schaden anzurichten. Ein weiterer wäre, mit großartiger Karriere (in einem Bereich, der möglichst wenig Schaden anrichtet) zusätzlich noch möglichst viel Gutes zu tun (Finanziell oder durch Einfluss). Vielleicht zur weiteren Inspiration: https://80000hours.org/
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30.07.2016
Hallo Mulan,


ich kann verstehen, dass du dich einfach abwenden möchtest, aber ich finde das ist keine Lösung für irgendein Problem. Veränderung und Umdenken findet ja nur statt, wenn man da bleibt und etwas tut. Du kannst ja als Biologin viel tun, was der Umwelt hilft: Du kannst Waldprojekte unterstützen, mit deinem Know-How und moralischem Kompass Dinge in eine Richtung lenken, die nicht nur auf Gewinn und Zerstörung ausgerichtet sind. Ich würde dir empfehlen, mal in eine Art "alternativ-grüner" Community zu kommen. Mach doch mal ein Praktikum bei einer Tierrechtsorganisation, arbeite mal in einem Bioladen,vernetze dich. Dann findet sich auch bestimmt ein Betätigungsfeld, das dir gefällt.


Dass hier in Deutschland alles nur für Menschen ist kann ich so leider nicht teilen. Es sieht zwar alles so aus, als ob es nur für den Menschen und sein Wohlergehen da ist, aber im Endeffekt ist das meiner Meinung nach nur Marketing, es geht ja im Grunde nur um Produktivität und Konsum, man sehe sich nur Volkskrankheit Burn-Out, Stress und von der gesellschaft ausgebremste und ausgegrenzte Leute an. Wer nicht mithalten kann, wird eben ausgesiebt, wer zahlen kann, dem gehts ganz gut. Tiere kommen eben unter die Räder, weil sie eben nur Maschinen sind, die Fleisch, Milch und Eier möglichst günstig herstellen sollen, es ist ja nicht Plan der Gesellschaft, Tiere zu quälen, es wird nur billigend in Kauf genommen, um das zu bekommen, was man von ihnen haben will. Sobald man billig Fleisch synthetisieren kann wird das Fleischrind aussterben, oder nur noch ultrateure Delikatesse sein.
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30.07.2016
@pummelchen
Deine letzten Worte gefallen mir ganz besonders gut. Schön wärs, wenn es so kommt.
Leider glaube ich nicht daran. Es gäbe ja schon adäquate Alternativen zu Fleisch und das wird auch nicht angenommen. Essen muss von einem Tier stammen. Man muss das Gefühl haben, dass man ein Wesen getötet hat, sonst ist es nicht authentisch, sonst schmeckt es nicht. Das ist tief verwurzelt im menschlichen (eingeredeten) Gedankengut.
Ansonsten kann ich dir nur zustimmen, was deine Ideen für Mulan betrifft.
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30.07.2016
Sonjo, ich gebe dir in vielen Punkten recht. Allerdings bin ich ja auch emtional an meine Familie und meine Freunde gebunden. Eine Art Aussteigerleben, in dem ich größtenteils ausf Geld, Infrastruktur und Konsum verzichte hört sich zum Beispiel ziemlich attraktiv an, würde aber auch mit sich bringen, größtenteils auf ein soziales Umfeld zu verzichten.
Mit großartiger Karriere Gutes zu tun, würde aber auch bedeuten meine eigenen Bedürfnsse ganz hinten anzustellen, was nie mein Ziel war. Meine Bedenken weiterhin in dieser Gesellschaft zu leben sind vor allem egoistischer Natur,

Pummelchen, vielen Dank für deine wirklich hilfreiche Antwort. Deine Tips im ersten Teil werde ich mir mal durch den Kopf gehen lassen.
Der Gedanke, dass alles für den Menschen ausgelegt ist, ist mir vor allem gekommen, weil ich überlegt habe, was ich denn studieren könnte. Alle Studiengänge sind extrem darauf ausgelegt dem Menschen irgendwelche Vorteile zu verschaffen oder den Menschen zu erforschen. Bei einer Googlesuche "Berufe mit Tieren", kamen neben Tierarzt nur Vorschläge wie Agrarwissenschaftler oder Zootierpfleger...
Burn-Out, Stress und Ausgrenzung finden vor allem statt, weil sich Menschen einbilden sie müssten unbedingt mithalten und durch Geld und Erfolg glücklich werden. Das ist vielleicht Schuld der Gesellschaft durch Indoktrination, aber nicht genug um mein Mitleid zu wecken. In Deutschland hat man eben alle Möglicheiten.

Es wird mich freuen, wenn keine Tiere mehr leiden müssen, aber das ändert nichts an der Natur des Menschen, nur auf sich bedacht zu sein und es wird andere Dinge geben, die mich aufregen und nerven werden. Vielleicht muss ich einfach darüber hinwegsehen.
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