Sich im Alltag zum Veganismus bekennen

Erstellt 19.10.2016, von Tanni. Kategorie: Allgemein vegan. 6 Antworten.

Sich im Alltag zum Veganismus bekennen
19.10.2016
Hallo, ihr Lieben.

Mich treibt etwas um.
Seit 2007 nun schon beschäftige ich mich mit dem Veganismus.
Ich habe einen jahrelangen Prozess durchgemacht, ehe ich endlich vegan aß und einen noch längeren, ehe ich endlich vegan lebte und ich entwickle mich noch immer weiter im Veganismus. Meine Familie hat das z. T. über Facebook mitgekriegt, wenn ich mal wieder etwas "veganes" gepostet habe oder mein WhatsApp Profilbild mit dem "V" gekrönt habe oder eben immer wieder gesagt habe, dass ich vegan esse, etc.
Dieser ganze Prozess war schleichend, langsam und unterschwellig für meine Familie und Freunde und dennoch haben sie davon etwas mitbekommen, zwangsläufig.

Nun hat sich bei mir ganz stark etwas verändert, denn ich bin "aktiv" geworden als Veganerin, sprich, ich bin aktive Tierschützerin geworden, habe mich europaweit vernetzt, werde auf YouTube bald zu sehen sein, gehe auf die Straße - kurzum, bin aktiv geworden.
Das zeigt sich nun auch auf Facebook und da liegt nun mein Problem. Naja, eigentlich ist es kein Problem, aber es treibt mich eben um.

Ich habe viele vegane Freunde dazugewonnen, treffe mich mit ihnen, bin aktiv mit Tierschützern, etc, und poste das auch, bzw. möchte es gern posten. Ich weiß aber, dass es viele nicht verstehen werden, dass es viele nerven wird, dass sich manche vielleicht verabschieden, etc. Im Grunde macht mir das gar nichts, denn es ist MEIN Leben und ich lebe es gerne, seit ich vegan bin. Aber trotzdem mag ich manche von den Menschen und ein paar liebe ich auch. Ich weiß, dass sich von beiden Menschenschichten einige verabschieden werden, bzw. der Kontakt wegbricht und das wird mir nicht leicht fallen, wird weh tun, aber es ist die Natur der Sache. Das ist auch okay für mich, aber dennoch fällt es mir unglaublich schwer, nun diesen Schritt zu gehen und mein "veganes Leben" öffentlich zu machen. Ich will keine sinnlosen Diskussionen mit Fleischessern und bin eigentlich auch froh, wenn sie aus meinem Profil verschwinden, wenn sie gehen, ihr Leben leben. Und eigentlich will ich lieber gestern als heute alles öffentlich machen, denn vielleicht erreiche ich noch den ein oder anderen Omni oder Veggie...manchmal führen Diskussionen eben doch zu was.

Es ist die Macht der jahrelangen Beziehung zu diesen Menschen, die mich hindert, das zu tun, was ich möchte, was mich glücklich macht, wonach ich mich sehne. Und doch werde ich es tun, denn ich möchte aufklären und aufzeigen und jeder, der sich davon distanzieren möchte, darf das tun. Meine Freundesliste auf Facebook wird also kleiner werden, aber nicht nur die, ich werde bestimmt auch Familienmitglieder und Freunde verlieren und das ist nochmal etwas deutlicher und schmerzlicher. Aber die Schmerzen und Leiden der Tiere sind mir einfach auch wichtiger geworden, als der Verlust von Freunden und Familie.


Wie geht ihr mit sowas um?

Liebe Grüße, Tanni
1x bearbeitet

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19.10.2016
Hallo Tanni!

Ich habe ja Vegan als Fastenzeit begonnen, einfach so: Sonntags habe ich entschlossen ab Aschermittwoch die Fastenzeit vegan zu leben.
Mein Mann nahm mich nicht ganz für voll, dachte, ich würde es eh nicht durchhalten.
Aber die Wochen flogen nur so dahin und als die Fastenzeit rum war, hatte ich Blut geleckt.
Ich hängte noch die 30-Tage-Challange von Attila Hildman dran.
Da ich meine Erlebnisse und Rezepte in meinem Blog festhielt, dachte mein Mann, ich mache es nur aus einem "Gemeinschaftsinn" heraus.
Aber weit gefehlt. Ich habe auf meinem Blog genau eine Follerin ;-)
Ich habe es für mich gemacht und weil ich ein Zeichen setzen will gegen Massentierhaltung, gegen Kükenschreddern und einfach gegen Tierleid.
Alle meine Freunde leben Omnivor, bei meiner Mutter mußte ich erstmal eine Diskussion führen, dass meine vegane Ernährung keine Religion ist, sondern eine Einstellung.
Meine Schwester findet es gut was ich mache, hätte gerne gehabt, dass wir zusammen die Fastenzeit durchlebt hätten, dazu war es für mich aber zu spontan und sie wohnt 150 km entfernt, keine Ahnung wie wir das hätten machen sollen.

Meine Abteilungskollegen haben etwas irritiert geschaut, einer meinte: ob ich nicht etwas "kleiner" z.B. vegetarisch anfangen wolle, andere Kollegen kommen und wollen ständig Rezepte, wiederum andere, fangen an zu stöhnen: "Ach Gott da darf man ja nichts mehr essen", über "selber Schuld!", bis hin zu einem ehrlichen "IGITT", nach der Nachfrage was ich denn esse, und ich die Zutaten für ein Smoothie aufgezählt hätte.

Ich komme gut mit meiner Ernährung klar, solange ich zu Hause bin, sobald wir ihn Urlaub fahren oder wir z.B. mal auswärts essen, will ich nicht immer gleich in die Küche stürmen und sagen sie sollen mir "Extrawürste" braten, weil ich vegan lebe. Ich esse was essen kann, meist dann aber eher vegetarisch.
Ich gehe mit meiner Veganischen Lebensweise nicht hausieren, ich will niemanden bekehren.
Wenn ich gefragt werde, dann antworte ich ehrlich, merke aber das die meisten keine Ahnung haben oder sie die Beweggründe nicht nachvollziehen können.


Ich wäre auch gerne mehr im Tierschutz aktiv, da ich aber eben vollberufstätig bin, meine vegane Ernährung doch sehr zeitaufwendig ist, wir ja einen anspruchsvollen Hund haben, Haus, Haushalt und Mann ja auch noch was von mir wollen, habe ich hier einfach echt nicht die zeit für.
Ich betreibe Tierschutz, in dem ich vegan esse, meine Tiere über Tierschutzprojekte/Tierheime adoptiere und mich informiere...


Aber ich denke die Welt braucht Menschen wie Dich und ich wünsche Dir viel viel Spaß und auch Kraft bei Deiner Aufgabe.

Gruß
Silke
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20.10.2016
Hallo Tanni,
ich finde das Super, das du immer mehr vegan lebst und auch was ändern willst!
Ich verstehe, das du geliebte Menschen, die dir über die Jahre ans Herz gewachsen sind und natürlich Familienmitglieder nicht verlieren willst!
ABER wenn sie dich genauso lieben wie du sie, dann wirst du sie nicht verlieren.
AUSSER du kannst nicht mehr mit ihnen, weil sie gegen deine Überzeugung sind und du nicht mehr mit Omnis verkehren willst!
So seh ich das....Menschen die sagen sie lieben dich, dann aber gegen deine Überzeugung arbeiten,
die lieben dich nicht wirklich, sonst würden sie dich unterstützen, bzw machen lassen!
Sie sollen ja nicht gleich "mitziehen" aber eben auch nicht gegen dich "arbeiten"!

Es gibt genug plausible Erklärung, warum du dich dafür einsetzt und jeder sollte dich verstehen können.
Natürlich sind sie besorgt, dann kann man ihnen aber auch hier die Segel aus dem Wind nehmen...von wegen Vitamin/Mineralien/Eiweiß Mangel etc.
Und alle anderen sind sich ihrer Schuld bewusst und wollen sich damit nicht auseinander setzten
und fühlen sich von die bedroht, weil du das machst, was richtig ware, sie aber den MUT nicht haben!!!!
Öffen dich der Welt, erst wirst du weniger Facebookfreunde haben, aber bestimmt bekommst du viele neue dazu!
LG Mel UND lass dich nicht entmutigen...geh weiter deine Weg!!!
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20.10.2016
Liebe Tanni,

du schreibst ja schon selbst, dass dich dein Leben als Veganerin UND Tierschützerin glücklich machen würde. Willst du dein Glück opfern für jene Menschen, die nicht damit klarkommen, weil sie ihre eigenen Gewohnheiten nicht hinterfragen wollen?

Ich kann verstehen, dass es dir schwerfällt. Vor allem langjährige Freundschaften gibt man nicht so schnell auf, weil viele gemeinsame Erinnerungen und Erlebnisse dranhängen. Mir hat ein Beitrag gestern bei Stern TV gezeigt (da ging es um Tierquälerei auf einem Bauernhof), dass es nicht reicht, einfach nur vegan zu sein, dass wir uns um den Tierschutz kümmern müssen, weil die Zustände oft katastrophal sind. Ich finde es großartig, dass du bereits aktiv bist. Nur so können wir etwas verändern.

By the way: In welchem Verein bist du aktiv? Ich möchte auch gern helfen...
LG
Kathi
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20.10.2016
Hallo Tanni,
also erstmal ich finde es toll, dass du aktiv im Tierschutz bist!
Allerdings verstehe ich nicht ganz worauf deine Frage abzielt. Dass du durch deine Aktivitäten weniger Facebook „Freunde“ hast? Facebook mag zwar praktisch sein um viele Menschen zu erreichen, hat aber meines Erachtens mit dem realen Leben wenig zu tun. Auf die ECHTEN Freunde kommt es an. Diese werden sich doch nicht von dir abwenden, weil du jetzt aktiv im Tierschutz tätig bist? Oder habe ich dich falsch verstanden?
Wie auch immer, die Tiere können jede helfende Hand brauchen und wenn auch nur ein Mensch durch deine Aktivitäten zum nachdenken kommt, dann ist das schon ein Erfolg.
Mein Mann und ich haben einer Handvoll Pferden, die grundlos getötet worden wären eine neue Heimat gegeben und betreuen diese bis zu ihrem natürlichen Lebensende. Das ist zwar neben unserer Berufstätigkeit eine Menge Arbeit aber jeder einzelne dieser 4-beinigen Persönlichkeiten ist jede Minute Arbeit mehr als wert. Denn wie heißt es so schön: „Ein Tier zu retten verändert nicht die ganze Welt, aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier“
In diesem Sinne mach weiter so und lass dich von niemanden von deinem Weg abringen, schon gar nicht von irgendwelchen Facebook Kontakten.
LG Eni

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20.10.2016
Ich finde es super, dass du "aktiv" geworden bist :)

ICH PERSÖNLICH lebe den Veganismus aus, lasse aber meine Mitmenschen damit in Ruhe. Ich habe vegane, vegatische und auch omni Freunde. Meine Freunde akzeptieren es und haben auch kein Problem damit.

Das ich vegan lebe, war meine persönliche Entscheidung. Aber ich poste jetzt nichts bei Facebook oder sonstiges um die Leute darauf noch aufmerksamer zu machen. Ich bin der Meinung, dass ich es nicht notwendig habe, es soll jeder so leben wie er meint :)
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20.10.2016
Ihr Lieben,

dankeschön für eure Antworten, sie tun gut, sie bestätigen mich. :heart:

@Eni
Mir ging es einfach darum, dass ich Angst vor dem Schritt habe, der unausweichlich ist, nämlich zu meinem Aktivismus zu stehen. Ich behellige niemanden. Ich missioniere niemanden, aber ich will auf meiner FB-Seite das posten, was ich für richtig halte und ich will, wenn man mich im Alltag etwas zu meinem Veganismus oder dem Tierschutz fragt, klar Stellung beziehen, auch, wenn ich anderen damit ein schlechtes Gewissen mache, auch wenn meine Antwort meinem Gegenüber nicht passt, etc.
Wie gesagt, ich gehe nicht auf meine Familie und Freunde zu und sage ihnen, was sie zu tun und zu lassen haben, aber wenn meine Bilder und Einträge sie stören oder Fragen aufwerfen, dann werde ich dazu stehen und Stellung beziehen, auch wenn das unangenehm für mich oder sie ist.
Und dazu wollte ich einfach wissen, wie ihr damit umgeht, sofern ihr aktiv seid.

@Kathi
Ich werde jetzt aktiv bei veganice.de. Das ist ein eingetragener Verein und die machen tolle Arbeit von Düsseldorf aus. Ich habe Danny einfach eine Mail geschrieben, wer ich bin, was ich mache und dass ich gerne helfen möchte. Danny hat sich dann 3 Tage später direkt zurückgemeldet und wir haben uns ausgetauscht und am 2.11. findet der nächste Stammtisch für Aktive statt (im Carrot/Cake) um 19 Uhr und da treffen wir uns zum Austausch und Besprechung. Ich bin dann das erste Mal dabei und freue mich schon riesig. Schau mal auf die Website, da sind wirklich alle wichtigen Infos.
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