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Individueller Konsum vs. Strategie- worauf kommt es an?20.11.2025Auf einem Vegan-Treffen gab es neulich eine Diskussion darüber, wie konsequent man als Veganer leben muss.
Es waren vier Leute. Eine meinte, dass es absolut notwendig sei, dass man Tierprodukte meidet, weil Tierprodukte nun mal nicht vegan sind und die Ausbeutung von Tieren fördern. Außerdem seien Veganer nicht glaubwürdig, die Ausnahmen machen. Eine hat sich nicht allzu aktiv beteiligt und war glaube ich eher auf der Konsequent-vegan-Seite
Die anderen beiden vertraten die Sichtweise, dass es nicht so sehr auf einzelne Tierprodukte ankäme, als auf die strategische Wirkung. Supermärkte kaufen ihre Vorräte im Übermaß ein, von dem sie den unverkauften Teil entsorgen. Also bekommen die Molkereien das Geld so oder so.
Durch die Subventionen wird der Effekt von individuellem Boykott zusätzlich verringert. Wir zahlen über unsere Steuern also trotzdem, auch wenn wir die Produkte selbst nicht kaufen (es beginnt schon mit der Mehrwertsteuer).
Wie seht ihr das?
Für mich persönlich ist Vegan auch eine Frage der Haltung (und nicht nur des realen Einflusses auf die Welt), daher schaue ich recht genau auf Zutatenlisten. Ich möchte einfach keine Tierprodukte essen.
Aber ich überlege natürlich auch, was die Aufgabe von Vegpool ist und was am meisten hilft.
Geht es nach dem Herz, sind mir Menschen am sympathischsten, die Tierprodukte meiden und meine Moral teilen.
Geht es um eine Strategie, erscheint es mir sinnvoll, lieber 10.000 Milch-Reduzierer zu gewinnen, die 90 % weniger Milchprodukte konsumieren, als 100 Veganer mit 100 %.
Beides geht wohl nicht, weil Veränderung typischerweise von Niedrigschwelligkeit profitiert.
Wenn erst mal alle weniger Milch konsumieren, kann man erneut schauen, welche Schritte dann anstehen. Es braucht also keine Strategie, die in 1.000 Jahren noch gültig ist.
Ich glaube, dass der Fokus auf die leicht nachvollziehbaren Probleme der Tierindustrie ebenfalls wichtig ist, weil sie mehr Erfolge bei weniger Budget erwarten lassen. Daher lieber Wiederholung und Optimierung von vorhandenen Grundlagen-Artikeln, statt ständig neue, komplexe Insider-Themen, die sehr ins Detail gehen.
Was ist eure Meinung?