Eiter in Kuhmilch

Erstellt 11.07.2022, von kilian. Kategorie: Allgemein vegan. 15 Antworten.

27.11.2022
Das ist Spekulation, warum der WDR das so vage formuliert.

Mit einem Agrar-Shitstorm kann man wohl rechnen, wenn man als öffentlich-rechtliche Redaktion von Eiter in Kuhmilch schreibt.
Das ändert aber nichts an den Tatsachen und dürfte kein Grund sein, die Berichterstattung zu entschärfen.

Da im Labor nicht explizit auf "Eiter" getestet wird (sondern auf bestimmte Zellen), könnte man diesen Interpretationsspielraum wohl nutzen und behaupten, dass es keinen Beleg für Eiter in Milch gibt.

Auch wenn es logisch naheliegt, dass erhöhte Zellzahlen durchaus zu Eiterbildung führen und dieser in der Milch landet.

Es wäre meiner Meinung nach vergleichbar, wenn man schreibt, dass es keinen Beleg auf Kotspuren in Milch gibt, weil nicht explizit auf Kot, sondern nur auf bestimmte im Kot vorkommende Bakterien getestet wird.

Allerdings würde diese Interpretation schon einen gewissen ideologischen Vorsatz voraussetzen, den ich dem WDR nicht unterstellen möchte.

Ich finde das Fazit "unbelegt" angesichts der verfügbaren Quellen dennoch zu vage. Zumal der Gehalt an Eiter in Kuhmilch auf Missstände hindeutet (Mastitis => Tierquälerei) und damit ein öffentliches Interesse an einer korrekten Berichterstattung besteht.

Der WDR schreibt ja selbst:

so kann es tatsächlich vorkommen, dass sich die Euter der Kühe entzünden, wodurch Eiter und Blut in die Milch gelangen können. Es kann somit theoretisch sein, dass Spuren von Eiter oder Blut drin sind.


Ich finde es schade, dass der WDR da diese herabwürdigende Formulierung drin hat:
Gegner*innen führen oft an, dass Milch schlecht sei und krank mache

Das klingt so, als wären die "Gegner:inen" einfach nur ideologisch dagegen, ohne Argumente zu haben.

Und die Formulierung finde ich auch fragwürdig:

Zu ersterem Vorwurf kann man festhalten, dass Milch nicht per se ungesund ist und so gut wie keine negativen, aber auch keine positiven Auswirkungen auf den Menschen bekannt sind.


Denn ein erhöhtes Prostatakrebsrisiko bei Männern mit mittlerem Milchkonsum ist belegt.
https://www.prostata-hilfe-deutschland.de/prostata-news/prostatakrebs-risiko-milch
Und Prostatakrebs würde ich schon als "negative Auswirkung" einstufen. Finde ich unnötig schlurig formuliert, angesichts der belegten Risiken.
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14.12.2022
Es gibt nun eine Rückmeldung vom NDR:

Bei der These „Milchregal: Eiter und Blut in der Kuh-Milch“ habe wir uns bewusst für ein „unbelegt“ entschieden, weil Eiter wie folgt definiert wird:

„Eiter – oder medizinisch Pus – ist ein biologisches Abbauprodukt, das durch Gewebeeinschmelzung (Autolyse, https://flexikon.doccheck.com/de/Autolyse) und den Untergang von Leukozyten entsteht, die in ein Entzündungsgebiet eingewandert sind.“

Weiter heißt es zu Eiter:

„Obwohl Eiter das typische Zeichen einer bakteriellen Entzündung ist, eignet er sich schlecht als Probenmaterial für die mikrobiologische Diagnostik. Da die Bakterien von Granulozyten abgebaut werden, ist Eiter häufig steril.“ (Quelle: https://flexikon.doccheck.com/de/Eiter).

Auch die Kolleg*innen vom SWR3 kommen zu dem Schluss, dass es „unbelegt“ bzw. „höchst unwahrscheinlich“ ist, Eiter in der Milch zu finden:

„Gerade in der Massentierhaltung kann es tatsächlich vorkommen, dass sich die Euter der Kühe entzünden. Je nachdem, wie sauber und hygienisch es im Stall zugeht. Oder wie oft die Kuh an die Melkmaschine muss. Dadurch kann tatsächlich Eiter und Blut in die Milch gelangen. Immerhin gibt es strenge Standards für Milch. Da dürfen natürlich keine Unmengen an Keimen drin sein. Wenn zu viele Keime bei einer Kontrolle gemessen werden, kann der Bauer die Milch gar nicht erst verkaufen.

Bevor jemand Kuhmilch in Deutschland verkaufen kann, muss er sie pasteurisieren, also hoch erhitzen, damit alle Keime und Erreger abgetötet werden. Also: Es ist höchst unwahrscheinlich, dass wir Erreger in der Milch mit trinken. Aber theoretisch kann es sein, dass Spuren von Eiter oder Blut drin sind.“ (Quelle: https://www.swr3.de/aktuell/fake-news-check/milch-reis-ernaehrung-soja-mandel-hafer-100.html)

Zudem wird Milch regelmäßig auf ihren Keim- und Zellgehalt untersucht. Außerdem finden sich nur dann mehr Zellen in der Milch, wenn es zu Entzündungen im Euter, der sogenannten Mastitis, kommt. Dies wäre zu absolut und allen betrieben unterstellend – da nicht jede Kuh an einer Entzündung leidet, kann schon von daher nicht Eiter in der Milch sein (pauschal). Weiterhin bekommt ein Betrieb weniger Geld, wenn ein gewisser Zellgehalt überschritten wird – bzw. darf die Milch gar nicht erst verkauft werden.


Das Wichtigste ist aber, dass es einen Unterschied macht, ob wir von Spuren (also nur Zellbestandteile) oder tatsächlich von Eiter sprechen. Denn Eiter wäre ein definitiver Ausschlussgrund (Verkaufsverbot) – Spuren bedeutet hingegen, dass Zellbestandteile gefunden wurden. Nur das Auffinden von Leukozyten ist dabei jedoch noch kein Indiz für „Eiter“. Für 1 Liter Milch fließen dafür im Schnitt 300 - 500 Liter Blut durch die Drüsenzellen im Euter. Somit können also immer Zellbestandteile mit auftreten.

Zusätzliche Quellen EU-Verordnungen „Milchgüte“: EU-VO 853/2004 und EU-VO 854/2004 ( https://de.wikipedia.org/wiki/Milch-G%C3%BCteverordnung)


Ich freue mich zwar, dass geantwortet wurde, finde die Antwort jedoch nicht zufriedenstellend, da sie mir zu viel Meinung enthält. Eiter ist ja z. B. nicht erst dann Eiter, wenn er in großen Mengen vorkommt. Wie seht ihr es?
1x bearbeitet

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14.12.2022
Und hier meine Antwort:

Guten Tag,

Danke für die Rückmeldung.

Schade, dass die Redaktion nicht auf die gegenannte Quellenliste eingegangen ist.

Eiter ist ja nicht erst Eiter, wenn er in großen Mengen vorkommt. Auch innerhalb der Grenzwerte kann Eiter vorkommen (und tut es auch). Es ist eine Fehlannahme, dass Eiter nur vorkäme, wenn die Grenzwerte überschritten sind.

Es ist bspw. in Fachkreisen bekannt, dass (manche) Landwirte eiterbelastete Milch mit anderer Milch verdünnen, bis die Grenzwert eingehalten werden. Dann gibt es keine Abzüge bei den Molkereien und das von der Redaktion genannte Argument löst sich in Luft auf.

Euterentzündungen gehören zu den häufigsten "Abgangs"-Ursachen in Milchbetrieben. Diesen Fakt, der die Annahme von Eiter in Milch mehr als wahrscheinlich macht, kann man in öffentlich verfügbarer, landwirtschaftlicher Fachliteratur nachlesen!

Ich nehme an, dass die Redaktion bei ihrem Statement bleibt, obwohl die Argumentation diese Aussage nicht schlüssig erscheinen lässt. Frei nach Christian Morgenstern: "Dass nicht sein kann, was nicht sein darf". Schade!

Beste Grüße

Kilian Dreißig

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14.12.2022
Das Problem bei der Kuhmilch ist nicht nur der Eiter. Weitere krank machende "Inhaltstoffe" sind Kasein, Wachstumshormone, Blut, tierisches Eiweiß, Fäkal-Keime, Gen-Technik, Antibiotika, Fett und Cholesterin.
Ingesamt ein "leckerer" Cocktail.

1x bearbeitet

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14.12.2022
Die Aussage: "Eiter sei steril" ist auch geil, deswegen sind Entzündungen nichts schlimmes. :wallbang:
Wir "Gegner:innen" sind ja auch nicht repräsentabel, weil wir zu einer terroristischen Vereinigung gehören, die keine Ahnung hat. Aber am Ende kackt die Ente, wir werden sehen, wer am Ende weniger Medikamente schlucken muss. Nicht ohne Grund gehen die alten Bauern alle gekrümmt, weil der Körper krank ist.

Übrigens was noch in der Liste der unerwünschten "Zutaten" in der Kuhmilch fehlt: Desinfektionsmittel!!! Damit werden nämlich die Milchzapfanlagen gereinigt und Spuren davon können in die Milch gelangen. Allerdings wurden diese bei einem Test nicht nachgewiesen, warscheinlich wurden die Grenzwerte noch nicht überschritten😡
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14.12.2022
Es gibt ja gelegentlich in der Politik den Vorwurf, Gesetzesanträge wären direkt von Lobbyisten (und damit sind keine NGOs gemeint) ausformuliert und von den Politikern unverändert übernommen worden.

Die Antwort auf deinen ersten Leserbrief liest sich so ähnlich.


"Es kann nicht sein, was nicht sein darf" trifft es auch ziemlich gut. Bin gespannt, ob sie nochmal antworten.



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