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Dokumentation "Christspiracy"

Erstellt 14.12.2024, von kilian. Kategorie: Allgemein vegan. 16 Antworten.

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Benutzerbild von kilian
Themen-Startervegan8.380 PostsmännlichBerlinLevel 4Team
Dokumentation "Christspiracy"
14.12.2024
Kennt ihr die Dokumentation "Christspiracy" von Kip Andersen und Kameron Waters?

Obwohl der Name es nicht vermuten lässt, geht es um den Umgang mit Tieren (und wie Religionen dies rechtfertigen oder auch nicht).

Zentral ist die Frage: Kann man Tiere spirituell töten? Wie würde Jesus Tiere töten? Hat er das überhaupt getan?

Ich habe mir die Doku eben angeschaut und kann sie weiterempfehlen:
https://christspiracy.com/

Was denkt ihr darüber?

Benutzerbild von Libio
vegan2.385 PostsweiblichBERLINLevel 4
14.12.2024
Guck ich mir demnächst gleich an.

Benutzerbild von noralie
vegan7 PostsweiblichBonnLevel 1
18.12.2024
Ich habe den Film gesehen und kann ihn wirklich sehr empfehlen. Er hat mich tief bewegt.

Er zeigt - wie Kilian schon schrieb - welche Rolle die großen Weltreligionen bei der Haltung und (rituellen) Schlachtung von Tieren haben, was Tierschlachtungen mit Mitgefühl zu tun haben (nichts!) und welche Diskrepanz zwischen den Lehren/Predigten/Worten der Religionen und ihren Handlungen bzw. denen ihrer Anführer besteht. Es ist zum Teil haarsträubend und man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll.

Außerdem wird erklärt, dass und warum Tiere die erste Form von Geld waren.

Es ist ein tiefgründiger, spiritueller und insgesamt sehr positiver Film über die Wurzel und den gemeinsamen Nenner aller Religionen und spirituellen Traditionen: Mitgefühl für alle Lebewesen.

Für mich außerdem ein Grund mehr für meine Religionskritik ;-)

1x bearbeitet

Benutzerbild von Weltraumkatze
vegan47 PostsLevel 3
19.12.2024
Mich hat der Film ein Stück weit enttäuscht. Er deutet an, Jesus, Mohammed und Buddha hätten sich gegen das Töten von Tieren ausgesprochen und die religiösen Autoritäten würden das seither vertuschen. Und das ist, sagen wir mal, weit hergeholt.

Die Art, wie Religionen das Töten von Tieren "heiligen", ist durchaus ein interessantes Thema für Kritik, und der Film spricht es auch stellenweise gut an, aber insgesamt hätte er besser sein können.

Benutzerbild von noralie
vegan7 PostsweiblichBonnLevel 1
19.12.2024
Ja, es ist in der Tat "weit hergeholt". Ich persönlich finde es allerdings total plausibel und einleuchtend, dass dem so war. Für mich macht das absolut Sinn.

Benutzerbild von METTA
vegan5.374 Postsweiblich ObertshausenLevel 3
19.12.2024
Ich habe nur den Anfang gesehen, aber da er in Englisch ist, nicht so viel verstanden und deshalb aufgehört.

Benutzerbild von Libio
vegan2.385 PostsweiblichBERLINLevel 4
20.12.2024
̀@Metta,
Auf Youtube kann man deutsche Untertitel einstellen. Im Zahnrad-->Untertitel-->automatisch übersetzen-->deutsch
Ich weiß nicht, ob die youtube-Version genau mit dem Original übereinstimmt.

https://www.youtube.com/live/m_YM41kni7g?si=RKdo7TBsbD43J3QG

1x bearbeitet

Benutzerbild von Weltraumkatze
vegan47 PostsLevel 3
20.12.2024
Ich gebe mal ein Beispiel für das, was ich meine. Im Film wird die Geschichte erwähnt, wie Jesus die Geldwechsler aus dem Tempel vertrieben hat.

Zunächst einmal muss man wissen: Das kann so, wie in der Bibel geschildert, nicht passiert sein. Im Tempelbereich waren überall bewaffnete Wachen, die genau solche Vorfälle unterbinden sollten. Jesus wäre auf der Stelle verhaftet worden.

Ein Historiker (ich weiß den Namen nicht mehr) hat vorgeschlagen, dass Jesus und seine fanatischsten Anhänger vielleicht selbst bewaffnet da aufgetaucht sind und die Wachen überwältigt haben. Dagegen spricht aber, dass ein so denkwürdiges Ereignis höchstwahrscheinlich von Flavius Josephus und anderen Historikern erwähnt worden wäre.

Was genau da passiert ist, lässt sich heute nicht mehr sicher sagen, und auch, dass die Geschichte frei erfunden ist, ist im Bereich des Möglichen. Aber unabhängig davon steht die Geschichte in der Bibel um eine Botschaft zu transportieren und um diese Botschaft zu verstehen, muss man den Zustand des damaligen Judentums kennen.

Es gab ein "offizielles" Judentum, das auf den Tempel in Jerusalem zentralisiert war. Gläubige Juden mussten dort bestimmte Tiere opfern lassen um sich von ihren Sünden reinzuwaschen. Und das ging nur dort, man musste dafür extra nach Jerusalem pilgern.

Es gab aber auch abweichende Strömungen, denen es ein Dorn im Auge war, dass die Priesterschaft im Tempel die Religion derart monopolisierte. Sie hielten die Priester für korrupt und glaubten, das sei auch der Grund warum Gott zuließ, dass die Römer über das Land herrschen.

Das frühe Christentum muss sich aus einer dieser Strömungen entwickelt haben oder zumindest davon beeinflusst worden sein. Im Christentum gilt daher heute noch, dass Jesus das ultimative Opfer war, das alle anderen Opfer überflüssig gemacht habe. Man muss dazu auch wissen, dass die Evangelien erst nach der Zerstörung des Tempels aufgeschrieben wurden, ein Ereignis, dass aus christlicher Sicht wie eine Bestätigung des eigenen Glaubens gewirkt haben muss.

Das Entscheidende ist aber: Es geht nicht um die Tiere oder Veganismus, das interpretiert der Film da rein. Es war ein politisch-theologischer Machtkampf gegen das Tempelpriestertum.

Vielleicht bringe ich später noch ein Beispiel, das im Film nicht erwähnt wird, wo die Annahme des Films aber besser passt. Denn wie gesagt, der Film spricht durchaus ein interessantes Thema an und es lohnt sich, das mal genauer zu betrachten.

1x bearbeitet

Benutzerbild von noralie
vegan7 PostsweiblichBonnLevel 1
20.12.2024
Danke fürs Teilen Deiner Sicht, @Weltraumkatze.

Ich denke, es ist insgesamt sehr schwer zu rekonstruieren, was damals (zu Jesu Zeit) tatsächlich stattgefunden hat und was nicht, da es wenig (historische) Belege aus der Zeit gibt und gleichzeitig viele Mythen, Legenden, Geschichten und "Glauben". Soweit ich weiß ist nicht mal zweifelsfrei historisch belegt, dass es Jesus wirklich gab. Ganz firm bin ich da aber auch nicht.

Ja, ich denke auch - und das sagt auch der Film - dass Jesus und seine Anhänger gegen den Tempelkult, das Tempelpriestertum und die Kommerzialisierung waren und dagegen vorgegangen sind.


Dass Jesus unmittelbar nach (oder sogar während) der Vertreibung der "Geldwechsler" aus dem Tempel verhaftet wurde, ist gut möglich bzw. sehr wahrscheinlich. Seine Hinrichtung war 4 Tage später (und dazwischen der Prozess und die Verhöre). Dass zwischen beidem ein zeitlicher und kausaler Zusammenhang besteht, ist soweit ich weiß ziemlich klar.

Ob er Vegetarier und gegen das Opfern und Schlachten von Tieren war, lässt sich auch nicht zweifelsfrei rekonstruieren, belegen oder widerlegen. Ich halte es wie gesagt für recht wahrscheinlich und plausibel.

Interessant fand ich auch die Sache mit dem Drainagesystem bzw. den "Abwasserkanälen" (engl. blood channel) unter dem Tempel, die wohl dazu dienten, das ganze Blut wegzuspülen. Auch das finde ich einleuchtend (aufgrund der Menge der Tiere, die dort täglich geschlachtet wurden).

Dass gläubige Juden bestimmte Tiere opfern lassen mussten, um sich von ihren Sünden reinzuwaschen, ist genau der Kern bzw. die Ursache des Problems, das der Film thematisiert. ;-)


3x bearbeitet

Benutzerbild von Weltraumkatze
vegan47 PostsLevel 3
20.12.2024
Hier noch das andere Beispiel, das ich meinte: Der heilige Hubertus lebte von 655 bis 727. Er stammte wohl aus dem fränkischen Adel und wurde später Bischof von Lüttich. Von ihm wird gesagt, er sei ursprünglich ein leidenschaftlicher Jäger gewesen, aber eines Tages wäre ihm ein Hirsch mit einem Kreuz zwischen dem Geweih erschienen. Davon war er so beeindruckt, dass er sich von der Jagd abwandte und ein Leben des Glaubens führte.

Natürlich ist das eine erfundene Geschichte. Das erkennt man u.a. daran, dass diese Geschichte ursprünglich über den heiligen Eustachius erzählt wurde, bevor sie auf Hubertus übertragen wurde. Aber wie das bei Legenden so ist, geht es nicht darum, Ereignisse zu berichten, sondern eine Botschaft zu vermitteln. Hier ist die Botschaft offensichtlich: Tiere sind auch Geschöpfe Gottes, man darf sie nicht töten!

Nun gab es aber weiterhin christliche Jäger und denen gefiel diese Botschaft überhaupt nicht. Also wurde die Legende neu interpretiert. Hubertus sei der Begründer einer neuen "christlichen Jagd", die die Schöpfung ehrt und bewahrt, im gegensatz zur heidnischen Jagd, die aus niederen Beweggründen betrieben wird. Ihr wisst schon: Genau dieselbe Selbstbeweihräucherung, die Jäger heute noch an den Tag legen.

Und die Kirche übernahm diese Interpretation. Hubertus, der Legende nach ein Ex-Jäger und Jagdgegner, wurde zum Schutzheiligen der Jagd. Noch heute finden an seinem Namenstag, dem 3. November, "Hubertusmessen" statt, bei denen sich Jäger einbilden können, Gottes Segen zu haben. Peta protestiert regelmäßig dagegen: https://www.peta.de/themen/hubertustag/

Hier haben wir also genau das, was der Film behauptet. Eine religiöse Lebensgeschichte (ob historisch oder nicht ist egal) mit einer eindeutigen Tierschutzbotschaft, die von den religiösen Autoritäten ins Gegenteil verkehrt wurde. Leider fehlt gerade dieses Musterbeispiel im Film.

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