Aller Anfang ist schwer

Erstellt 14.08.2021, von RezaScript. Kategorie: Allgemein vegan. 4 Antworten.

Aller Anfang ist schwer
14.08.2021
Hallo,

Nein, ich bin kein Veganer und auch kein Vegetarier. Ich bin hier, um mein persönliches Verständnis etwas aufzubauen.

Vor vier Jahren hatte ich einen sehr schweren Motorradunfall. Da ich meinen Kopf sehr schwer verletzte, kann ich mich seitdem an vieles nicht mehr erinnern. Vor dem Unfall war ich ein Vegetarier. Nach dem Unfall habe ich wieder Fleisch gegessen, weil ich vergessen hatte, dass ich eigentlich Vegetarier war. Eine Zeit lang später, habe ich es aber begriffen, da mich ständig Leute fragten, warum ich wieder Fleisch esse. Da ich Fleisch sehr lecker finde, kann mir nicht vorstellen, dass es an Geschmack lag, sondern viel mehr müsste es ethische Gründe geben. Diese Gründe gibt es für mich heute noch, und deshalb bin ich zur Zeit Flexitarier. Esse also vielleicht ein- oder zweimal Fleisch im Monat, konsumiere aber massenhaft Milch, Eier, Jogurt etc.

So, bevor ich jetzt Kritik bekomme, möchte ich erstmal mich selber kritisieren:
- Erstmal, Vegetarier zu sein ist der erste Schritt, mit dem Konsum von tierischen Produkten habe ich aber auch dann die Massentierhaltung unterstützt.
- Obwohl ich weiss, dass ich mal zu 100 % Vegetarier war, esse ich immer noch Fleisch.
- Meine einzige Rechtfertigung weshalb ich Fleisch und tierische Produkte konsumiere, ist: Der Genuss

So, ich bin 36 Jahre alt und finde, dass für mein bisheriges "Luxusleben" schon genug Tiere leiden und sterben mussten. Naja, am Ende jedes Satzes müsste halt ein Punkt gesetzt werden und dort bin ich jetzt angekommen.


Ich möchte nicht mehr als Vegetarier durchstarten, sondern direkt als Veganer, habe aber noch nicht damit begonnen, weil mir etwas Bildung fehlt. Ich möchte auch nicht nach sechs Monaten zum Hausarzt rennen, weil mir gesundheitlich nicht gut geht. Ich weiss, dass nebst Vitamin B12, auch andere Vitamine wie D, B6, Calcium und Eisen fehlen werden. Da ich sehr intensiv Sport mache, benötige ich wahrscheinlich noch weitere Vitamine.


Vielleicht könnt ihr mir ein paar Basic-Tipps geben. Denn mir ist nicht nur das Leben der Tiere wichtig, sondern auch mein eigenes :)

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14.08.2021
Hi :wink:

Bis auf das B12 kannst du nicht sicher wissen, ob dir irgendwelche Nährstoffe fehlen werden. Das kommt sehr darauf an, wie du dich normalerweise so ernährst. Abwechslungsreich ist dabei grundsätzlich gut, aber das wusstest du vermutlich schon. :)
Wenn du sehr intensiv Sport treibst, wirst du entsprechend mehr essen, so dass das nicht grundsätzlich zu weiteren Mängeln führen muss.
Wenn du es sehr ausführlich und wissenschaftlich fundiert haben möchtest, sei dir Niko Rittenau ans Herz gelegt: Entweder als Buch "Vegan-Klischee adé" oder sein Youtube-Kanal.

Wann sind denn die Momente, in denen du schwach wirst (der Wunsch nach Genuss stärker ist als der Wunsch nach ethischem Handeln)? Dort kannst du ansetzen (ich lese gerade ein Buch zum Thema Gewohnheiten, und wie man die selbst beeinflussen kann).

Erster Ansatzpunkt: Vegan zu leben ist kein Verzicht, sondern eine Bereicherung :-)
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15.08.2021
Wichtig ist: Werde nicht von jetzt auf gleich vegan. Das bringt nicht viel, und man wird wahrscheinlicher wieder zu tierischen Produkten, oder, so wie ich mit 8, wieder ,,nur'' Vegetarier greifen/werden.


Vitamin B12 muss (sollte) man supplementieren, da dieses in Pflanzen gar nicht (eventuell in ein paar Algen, aber da muss noch mehr Forschung zu betrieben werden) vorkommt, welches die Tiere auch übers angereicherte Futter bekommen.

Vitamin D ist eigentlich ein Hormon, und wird bei Sonneneinstrahlung produziert. Also grade im Sommer: Raus gehen! Natürlich nicht zu viel, aber wenn du so vielleicht ne halbe Stunde täglich am Sonnenlicht bist, sollte das reichen. In den Wintermonaten sollte man Vitamin D sowohl als Veganer, als auch als Vegetarier und Mischköstler supplementieren.

Vitamin B6? Ist eigetlich nicht kritisch in der veganen Ernährung. Es ist in vielen Obst- und Gemüsesorten, Getreide und Pseudogetreide, Nüssen un Samen und Hülsenfrüchten enthalten. Eher zu nennen ist das Riboflamin (Vitamin B2). Welches man aber auch in zum Beispiel Mandeln, Champignons und in Hefeflocken findet. In Hefeflocken sind generell ale B-Vitamine, außer das B12, sofern nicht damit angereichert, enthalten.

Calcium muss nicht kritisch sein: Mandeln, Haselnüsse, Sesam, Dunkelgrünes Blattgemüse, Tofu: Das und viele mehr sind gute Calciumquellen. Zusätzlich gibt es noch mit Calcium angereicherte Pflanzendrinks uns calciumreiches Mineralwasser, wie auch Kilian in einem seiner letzten Threads hier geschrieben hat: https://www.vegpool.de/forum/vegpool/vegane-calcium-quellen-1.html

Eisen: Gute Quellen sind zum Beispiel Rote Beete, Dunkelgrünes Blattgemüse, getrocknete Aprikosen, Sesam, Mohn, Spinat, Kürbiskerne, Hülsenfrüchte aller Art, Vollkorngetreide, usw.


Zu erwähnen wären noch Zink, Jod und Selen:

Zink: Ist enthalten in Kürbiskernen, Sesam, Kakaopulver (schwach entölt), und in weiteren vielen alltäglichen Lebensmitteln in geringerer Menge enthalten, was aber im Lauf des Tages kein Problem darstellen sollte, wenn man viele Nüsse und Samen, welche auch, gerade Leinsamen und Walnüsse viele Omega-3 Fettsäuren beinhalten, und generell viele der potentiell kritischen Nährstoffe beinhalten.

Jod ist ein schwieriges Thema, denn im Jodsalz, welches man ohne Frage an Stelle von unjodiertem Salz nehmen sollte, immer noch zu wenig Jod enthalten. Daher bleiben dir nicht mehr viele Möglichkeiten, da deutsche Böden (im Gegensatz zu denen in USA und Kanada) sehr jodarm sind, außer zur supplementation oder zu Algen: So mache ich das nähmlich auch: einfach Nuri- oder Dulsealgen kaufen (Nuri werden für Sushi verwendet, ich habe die auch im normalen Supermarkt gefunden, im Gegensatz zu Dulse-Algen), wenn es Nuriblätter sind kleinmachen und ins Essen in einer kleinen Menge streuen, ohne dass das Gericht dannach nach Fisch schmeckt.

Für Selen gibt es eigentlich nur 2 gute vegane Quellen, und zwar Paranüsse und Steinpilze, aber beide haben ihre Tücken: Deutsche Steinpilze sind, aufgrund von Chernobyl, immer noch belasted, und Steinpilze sind sesoinal und nicht ganz billig. Und bei Paranüsse schwankt der Gehalt sehr, zwischen 1,24µg pro Nuss und 20,4µ pro Nuss. Ich esse trotzdem Paranüsse, sogar etwas zuviel, aber ich versuch das wieder auszugleichen.

Ach und: Proteine: Viele Hülsenfrüchte, am besten zu jeder Mahlzeit. Die verschiedenen Aminosäuren kombinieren sich im Verlauf des Tages

Vegane Ernährung ist, bei ausreichender Sachkentniss sehr gesund, und potenziell sogar Leistungsfördernd. Essen gehen wird eher schwierig, außer man wohnt nicht in Berlin, Hamburg, Köln, München, Frankfurt, Karlsruhe, oder in der Nähe irgendeiner anderen Großstadt, man muss also kochen können.

LG und viel Erfolg beim Umstieg

1x bearbeitet

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15.08.2021
Zitat Zwoelfvegan:
Vitamin D ist eigentlich ein Hormon, und wird bei Sonneneinstrahlung produziert. Also grade im Sommer: Raus gehen! Natürlich nicht zu viel, aber wenn du so vielleicht ne halbe Stunde täglich am Sonnenlicht bist, sollte das reichen. In den Wintermonaten sollte man Vitamin D sowohl als Veganer, als auch als Vegetarier und Mischköstler supplementieren.


Dazu möchte ich dann doch noch etwas mehr sagen: Vitamin D kann bei uns in Deutschland nur von Mai bis Ende August gebildet werden, da ansonsten die Sonne nicht hochgenug steht und die dafür notwendige UVB Strahlung nicht durch die Atmosphäre kommt. Als Anhaltspunkt kann gesagt werden, dass lediglich Vitamin D gebildet wird, wenn der eigene Schatten kürzer ist, als man selbst. Eine halbe Stunde reicht aber auch immer Sommer nicht, außerdem sollte man komplett unbekleidet und ohne Sonnencreme sein. Ich supplementiere das ganze Jahr in relativ hohen Dosen. Ich habe erst diese Woche wieder meinen Termin beim Orthomolekularmediziner gehabt und bin auch die Ergebnisse gespannt.


Zitat Zwoelfvegan:
Jod ist ein schwieriges Thema, denn im Jodsalz, welches man ohne Frage an Stelle von unjodiertem Salz nehmen sollte, immer noch zu wenig Jod enthalten. Daher bleiben dir nicht mehr viele Möglichkeiten, da deutsche Böden (im Gegensatz zu denen in USA und Kanada) sehr jodarm sind, außer zur supplementation oder zu Algen: So mache ich das nähmlich auch: einfach Nuri- oder Dulsealgen kaufen (Nuri werden für Sushi verwendet, ich habe die auch im normalen Supermarkt gefunden, im Gegensatz zu Dulse-Algen), wenn es Nuriblätter sind kleinmachen und ins Essen in einer kleinen Menge streuen, ohne dass das Gericht dannach nach Fisch schmeckt.


Jod hatte ich bis letztes Jahr auch nicht auf dem Schirm. Bisher habe ich immer 250µg täglich eingenommen. Beim Gespräch mit dem Doc diese Woche meinte er, dass dies definitiv zu wenig ist und ich jetzt zunächst mal auf 500µg gehen soll, langfristig allerdings eher mich im Bereich von 1 mg sehen soll. Wir wollten aber jetzt erstmal die Ergebnisse abwarten.
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18.08.2021
Wow, Du hast ne Menge durchgemacht...
Toll, dass Du nun den veganen Weg einschlägst!


So, ich bin 36 Jahre alt und finde, dass für mein bisheriges "Luxusleben" schon genug Tiere leiden und sterben mussten. Naja, am Ende jedes Satzes müsste halt ein Punkt gesetzt werden und dort bin ich jetzt angekommen.


TOLL!!!
Schau mal hier:
https://www.vegpool.de/magazin/vegan-kochen-grundlagen.html
https://www.vegpool.de/suche/?s=Basics

Viel Freude hier unter Gleichgesinnten! Willkommen! :wink: :star: :thumbup:


1x bearbeitet

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