vegan78 PostsFrankenLevel 3
09.03.2026Korrekt, seit 1978 lebte ich vegetarisch, aber erst seit ich vegan lebe kann ich sagen, dass ich keinen Beitrag zum Tierleid mehr leiste.
Und ich was mal anwesend, als ein frisch geborenes Kalb sofort von der Mutterkuh entfernt wurde. Grausam ist das. Wünscht man das sich denn selbst oder seinen Kindern?
vegan82 PostsweiblichNRWLevel 3
12.03.2026Ich war schon immer sehr tierlieb. Von Kindesbeinen an. Habe Fleisch erfolgreich als Kleinkind vermeiden können, weil ich es wohl nicht mochte. Mit dem älter werden Richtung Einschulung mochte ich bewusst kein Fleisch, was auch akzeptiert wurde. Aber immer wieder wurde das Probieren angeboten, und so kam, was kommen musste…
Als ich mich dann als Erwachsene, wenn auch spät, dazu entschied, auf Fleisch zu verzichten, beschäftigte ich mich damit und stieß neben dem Vegetarismus zeitgleich auf den Veganismus. Und mir spülte es aus dem Internet damals als erstes diesen Satz entgegen:
„Auch für Vegetarier sterben Tiere“
Ich war überrascht (und finde es aus heutiger Sicht sehr beschämend), aber ich informierte mich nächtelang, tagelang, durchforstete Literatur und stieß auf bekannte und grausame Dokus.
Ich begriff, was Lab war, unter welch schrecklichen Bedingungen Legehennen produzieren müssen, und was den Kühen und Kälbchen widerfährt.
Es machte mich wütend, traurig, sprachlos, entsetzt und ich sprach mit meiner Mama darüber, warum sie mir immer fleischlos gekocht hat, mich nie gezwungen hat, aber es trotzdem immer angeboten hat.
Das war damals so. Sie hatte sich keinerlei Gedanken gemacht. Alle anderen wollten und aßen Fleisch und somit stand es auf dem Tisch. Und ich (Seelchen) hatte die Wahl.
Fatal…
Wäre meine Mama aufgeklärt gewesen, wäre ich zumindest vegetarisch aus freien Stücken geblieben, aber gut, darum soll es jetzt auch nicht mehr gehen.
Jedenfalls stolperte ich über besagten Satz. Immer wieder. Und mir war klar - den vegetarischen Zwischenschritt wird es für mich nicht geben. Ich wollte diese grausame Schuld nicht auf mich laden. Bewusst. Jetzt, wo es mir bewusst war. Und so wurde ich direkt vegan.
Und doch war es sehr schwierig zu Beginn. Ich fokussierte mich auf Ersatzprodukte. Machte mich abhängig davon und war vom entsetzlichen Geschmack enttäuscht. Damals war Vieles fürchterlich ungenießbar. Ich war enttäuscht. In mir kämpfte mein jahrzehntelang geprägter Gaumen (Geschmack, Konsistenz…) gegen das Wissen um das Tierleid.
Und es gab lange Zeit immer wieder mal bewusste Ausnahmen.
Das hörte auch erst auf, als ich davon Abstand nahm, zu erwarten, dass eine vegane Wurst, wie eine Wurst aus Fleisch schmeckt, oder eine vegane Frikadelle, wie eine Hackfrikadelle, oder Sojamilch wie Kuhmilch…
Erst, als ich begriff, dass es Ersatz ist und eben auch nur annähernd so schmeckt, aber nicht identisch schmecken kann, da wandelte sich in mir was.
Heute kann ich kein veganes rotes Filet vom Grill essen, weil mich die rote Farbe und die fast identische Mediumtextur an ein Rumpsteak erinnert. Ich kriege es schon nicht gekaut, geschweige runtergeschluckt. Dabei ist es vegan.
Lange Rede, kurzer Sinn. Es gibt bei uns häufig Ersatzprodukte, weil mein Mann sie gerne isst, ausprobiert und mag. Aber ich brauche das nicht mehr. Ab und an probiere ich was oder wenn für mich gekocht wird, okay. Aber Ersatzprodukte, die Fleisch oder Fisch nachahmen, mag ich nicht so sehr und brauche sie noch weniger.
Bin aber dankbar, dass es das alles mal gab und auch noch gibt, weil es für viele den Umstieg erleichtert.
Entschuldigt meinen Roman.
Irgendwie wollte das raus. Das mal reflektieren.
Es tat mir auch gut.
Ich verurteile mich nicht für meine Blindheit und Ignoranz. Ich verurteile auch nicht meine Ausnahmen.
Ich habe viel zu oft im Leben immer nur das perfekte Ziel vor Augen gehabt, ohne zu begreifen, dass der Weg zum Ziel schon so wichtig ist, so wertvoll, so hilfreich.
Deshalb bin ich heute und schon recht lange eine Frau, die sich zwar vegan ernährt, Tierschutz aktiv betreibt, aber nicht mit erhobenem Zeigefinger durchs Leben geht, keine Plakate in Händen hält, keine Vorwürfe macht, etc.
Ich gehe als veganes Beispiel voran. Ich kläre auf und überzeuge, aber ich überrede nicht, setze nicht mit Sprüchen unter Druck, oder mache mein Essen ständig zum Thema.
Damit komme ich gut durch die Gesellschaft und mache sogar erfreuliche Erfahrungen.
Und jetzt höre ich mal auf, denn irgendwie schweift das ab. Entschuldigung. Nicht böse sein bitte.
Seid alle herzlich gegrüßt von mir. 💚
vegan491 PostsmännlichBad Münstereifel Level 4
12.03.2026Hallo Seelchen,
nein, ich bin dir absolut nicht böse. Ich finde das total interessant, wertvoll und kann dich auch durch die Art, wie du es beschreibst gut spüren.
Die "Ersatzprodukte" waren in ihren Anfangsjahren ziemlich gewöhnungsbedürftig und sollten (meiner Meinung nach) auch nur Übergangsprodukte sein.
Manche Menschen (wie meine jüngste Tochter) brauchen das auch länger, weil sie eher auf Gebratenes und/oder Fastfoodartiges stehen (was aber mE auch nur eine Frage der Zeit ist). Aber das würde ich niemals zum Thema machen.
Ich bin auch nicht der "große Guru", der "Belehrende" oder trete so auf wie "die militante Veganerin". Würde ich mir niemals anmaßen.
Manchmal stört mich auch die Sprache in der von manchen vegan lebenden Menschen von "Kadaverfressern" usw gesprochen wird.
Das ist nicht meine Art.
Wenn ich nach dem "Warum" gefragt werde, antworte ich. Ich doziere aber niemals...
Ich habe auch damals für meine Frau immer wieder extra eine vegetarische Pizza gemacht. Nach ihrem Tod gab es dann für meine Tochter und mich nur noch rein Veganes.
Also: Bei mir hast du nur "offene Türen eingerannt".
vegan82 PostsweiblichNRWLevel 3
13.03.2026Danke Friedhelm für deine Wertschätzung.
Es tut mir leid, dass du deine Frau schon verloren hast. Fühl dich gedrückt.
Genau das meine ich, diese extreme Art, andere auf ihr nicht perfektes Vegansein hinweisen, oder auf Vegetarier sind auch Mörder, etc.
Ich gehe da einen anderen Weg, der selbiges aufzeigt, aber die Menschen da abholt, wo sie gerade stehen.
Mir ist ein Vegetarier lieber, der peu a peu vegan wird und versteht, umdenkt, empfindet, als ein bedrängter Vegetarier, mir Worten genötigt, der aufgibt, oder gar ganz vom Weg abkommt….
vegan2.384 PostsweiblichBERLINLevel 4
13.03.2026Ich freu mich sogar über jede tierfreie Mahlzeit von Nichtveganern.
Ich bin auch ganz kleine Schritte gegangen, daher weiß ich keinen bestimmten Tag, an dem ich vegan wurde, irgendwann hat sich Fleisch und Milch "ausgeschlichen".
Ich kann aus dem Glashaus nicht mit Steinen schmeißen.
Mich hätte keiner dazu zwingen können, es muss von innen kommen.
vegetarisch1.370 PostsweiblichFrankfurtLevel 4
16.03.2026Finde Raffaela auch Bombe!
Hatte dann mit meiner Meinung einige andersdenkende, blieb dabei.
Heutzutage muss man halt einfach oft provokant sein, wenns den einen oder anderen net interessiert, vielleicht dann einige andere, die man erreicht.
Aufmerksamkeit erreichen. Vielleicht wird und wurde im Nachhinein nachgedacht und man hat recherchiert und kam auf den Punkt, dass sie - zwar provokant und direkt - die Wahrheit gesagt hatte....
Hab von ihr viele Interviews und Aktionen gesehen, bisher, und mich sehr aufgeregt, auf die teils Ignoranz der Angesprochenen.
Mit Leuten ins Gespräch kommen, ja das hört sich jetzt widersprüchlich an, zum obigen, finde begeistern heisst das Zauberwort. NICHT überzeugen. Wie oft liest man das - und auch das Wort- man würde auf was verzichten. Wieso, man legt sich seine Essprioritäten anders, ohne Tierleid!
Überzeugen wollen hört sich, m.M., so gedrungen an, als würde man was verkaufen wollen.
Hab da manche übers Essen probieren erreicht..😍. oder durch mein begeistertes Erzählen, wie was schmeckt oder neu entdeckt hab.
Hätte man gedacht, dass ich jemals soviel Hafermilch (lecker als HotSchoki, oder im Pudding) trinken würde? Gegen Soja, die ja zu Anfangs in den Läden zu haben war, bin da allergisch. Also auch kein Tofu.
Oder Kichererbsen oder die tollen Bohnen.... oder oder, soviele tolle wohlschmeckende Sachen wurden
entdeckt.😍 Und hab soviele tolle Tipps hier auch bekommen!
Mein Prob ist noch das unsägliche Ei!😈
In Produkten verarbeitet, wo überall auch, wird gemieden, klar. Letztens die veganen Cookies im Aldi entdeckt, cool!
Werde das auch noch hinkriegen, jage grade dem veganen Rührei Ersatz hinterher, der - schmeckt super - nach Umräumung des hiesigen Supermarkts unaufindbar ist.😒
Ansonsten werde noch bei passender Minute hier auch noch was posten können. Ausgehend von der Treadfrage von Kilian.
Enthalte mich jedoch vielen Vegan-Treads, kann da halt einfach noch net mitreden.😓
4x bearbeitet
01.04.2026Meine Ansicht dazu: Die Konfrontation mit der Grausamkeit gegen Tiere ist m.E. unumgänglich, um vegan zu werden und jede Person sucht sich selbst aus, wo und auf welche Weise sie sich damit konfrontiert.
Mit Personen, die sich mit mir über das Thema Veganismus austauschen wollen, rede ich zwar freundlich und respektvoll, aber auch ehrlich und faktenbasiert und ich stelle mich dabei kompromisslos auf die Seite der Tiere. Denn wenn ich als Veganerin es nicht tue, um nur ja nicht anzuecken und mich unbeliebt zu machen, wer dann?
Wer damit nicht umgehen kann, muss sich halt andere Wege der Konfrontation suchen. Das Netz ist groß und die Auswahl an Informationsquellen ist riesig. Ich fühle mich nicht verantwortlich für die kognitiven Dissonanzen anderer.
Nicht alle Erkenntnisse über die Gewalt in unserer Zivilisation und die eigenen Anteile daran lassen sich schmerzfrei gewinnen oder vermitteln und letztlich entscheidet ja jede Person selbst, ob und inwieweit sie sich auch unangenehmen Tatsachen stellt. Ich gehe davon aus, es im öffentlichen Raum mit erwachsenen Menschen zu tun zu haben und verstehe mich weder als ihre Therapeutin, noch Erzieherin, die sie psychologisch manipulativ an die harte Realität heranführen müsste. DAS wäre nämlich in meinen Augen eine paternalistische Haltung von oben herab.
Liebe Grüße,
Iris