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Tierpatenschaften als Selbstzweck?

Erstellt 10.11.2025, von kilian. Kategorie: Tierschutz & Tierrechte. 4 Antworten.

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Tierpatenschaften als Selbstzweck?
10.11.2025
Tierpatenschaften stehen bei Tierfreunden hoch im Kurs, gerade zur Weihnachtszeit.

Die Motivation dahinter ist das Gefühl, Retter eines konkreten Tieres zu sein. "ICH habe DICH gerettet!" Deshalb bieten viele Lebenshöfe "Urkunden" an, auf denen der eigene Name unter einem Foto des Tieres steht.

Und das ist ein schönes Gefühl! Grundsätzlich spricht auch nichts dagegen, wenn das Tier davon profitiert.

Manche Psychologen sagen, dass Tierretter sich manchmal selbst im Tier sehen. Sie wünschten sich jemanden, der auch sie rettet und so bedingungslos liebt, wie sie sind. Dieses Bedürfnis übertragen sie auf das Tier, und nehmen dadurch indirekt daran teil.

Und das ist gut so und absolut menschlich.

Man sollte sich nur klar machen, dass Patenschaften ein Deal sind.
Ich bezahle Geld und bekomme dafür das Gefühl. Man investiert also nicht nur in das Tier, sondern auch in das eigene Selbstbild.

Kurz: Wir tun es, weil das Gefühl, mildtätig zu sein, eine wunderbare Sache ist. Und zwar für uns selbst.

Als Menschen sind wir zwar stark gefühlsgesteuerte Wesen, aber wir haben in unserem Gehirn den präfrontalen Kortex, der uns erkennen lässt, dass die Rettung einzelner Tiere uns zwar ein gutes Gefühl gibt, die Ursache für Tierquälerei aber nicht beseitigt.

Und wir verstehen auch, dass wir mindestens zweigleisig fahren müssen.

Eine Strategie, die beides kombiniert, könnte diese sein:
Für jedes Tier, für das ich persönlich Pate bin, gebe ich das 1-2-fache in Strategien, die das Ziel haben, die Ursachen von Tierquälerei zu beheben. Etwa wirksame Methoden, um vegane Ernährung populärer zu machen.

Wenn 15 Euro an eine Kuh auf dem Lebenshof fließen, stecke ich also 15 Euro in Aufklärungsarbeit.

Auf die Weise verbindet man beides: Die direkte Rettung fürs Herz mit den Maßnahmen, die strategisch wirken. Auch, wenn ich von den Erfolgen im zweiten Fall viel weniger mitbekommen kann.

Und noch eine Sache:
Am Ende muss uns auch klar sein, dass die Beschränkung auf kleine Handlungen auch bedeutet, größere Handlungen zu unterlassen.

Für 5 Euro bekomme ich vielleicht eine gedruckte Postkarte meines Lieblingstieres, als Beweis meiner Mildtätigkeit.

Wenn mir aber wirklich etwas an Tieren liegt, sollte ich mich ernsthaft fragen, ob nicht 10 % meines verfügbaren monatlichen Einkommens eine viel ehrlichere Summe wären. Oder mich alternativ fragen: Was ist wirklich meine Höchstgrenze, um Tieren zu helfen, und warum? (Und zwar in Euro!)

Ihr könnt natürlich an Vegpool denken, wenn euch die Idee eines offenen Vegan-Portals und die bisherigen Erfolge gefallen. Aber es gibt viele weitere Möglichkeiten.

Wichtig ist nur, sich dieses vage Gefühl bewusst zu machen. Denn zu verdrängen, welche Möglichkeiten man wirklich hätte, wenn man größer handelt (= 10 % des Einkommens), ist genauso, wie zu verdrängen, dass für Fleisch Tiere getötet werden.

Man unterlässt das, was Tieren wirklich helfen könnte.

Wie seht ihr das?

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21 PostsSonstigeLevel 2
11.11.2025
Ich habe früher zu Weihnachten gerne Tierpatenschaften verschenkt an Leute, bei denen ich keine andere Geschenkidee hatte.
Mittlerweile verschenke ich an meine Liebsten eigentlich nur noch meine Zeit und/ oder selbstgemachte Dinge, und ich nehme selbst hin und wieder ein gerettetes Huhn, eine Gans, eine Ente auf.
Ich schicke aber jedes Jahr ca 10 Pakete mit veganem Hundefutter an Tierschutzvereine. Ich schaue im Internet, welche Vereine sich als Tierfreunde, Tierschützer usw betiteln und dann schaue ich, ob die von denen eine Wunschliste finde. Meist wünschen die sich Hundefutter mit viel Fleisch drin, Kaninchenohren usw.
Ich packe dann ein Paket mit einem netten Brief, in dem ich ganz ohne Vorwürfe frage, wie man sich Tierfreund nennen kann, und dann andere Tiere verfüttert. Und ob sie nicht veganes Futter probieren wollen, oder zumindest einen veganen Tag pro Woche, dass sie dadurch viel mehr Tieren helfen können, es gesund für die Hunde ist usw.
Ob es was bringt, ob es die Welt ein kleines bisschen besser macht? Keine Ahnung, auch da mache ich es, um selbst ein gutes Gefühl zu haben.

Benutzerbild von Libio
vegan2.215 PostsweiblichBERLINLevel 4
11.11.2025
Auch ich mache einiges, zb. Blut spenden, Essen retten, Geld Spenden, Menschen irgendwie anders helfen, weil ich es richtig finde, wenn man sich in der Gesellschaft untereinander hilft.
Ich weiß auch meine Vorteile, also das gute Gefühl hab ich auch. Auch das Gefühl, dass ich das früher finanziell oder zeitlich nicht konnte, aber jetzt den Luxus habe, abgeben zu können in kleinem Rahmen. Der Damals-Heute-Vergleich freut mich einfach, das Bewusstsein, dass nicht immer und jeder helfen kann.
Und ich denke auch, dass ich auch mal in die Lage kommen könnte, zB. Blut zu brauchen und dann froh bin, wenn es Spender gegeben hat für mich. Mein Vorteil ist ja auch ein Kurzcheck vom Spender-Arzt, dass bei mir alles ok ist und dass mein Kreislauf trainiert wird.
Und beim Essenretten fällt auch immer was für mich und meine Nachbarin ab, so dass es mir Haushaltsgeld spart.
Es ist immer für alle Beteiligten gut, zu helfen.


Und es gibt so vieles, das man kostenlos nutzt, weil andere alles organisieren mit Zeit und Geld. Manchmal kommt es mir so vor, als ob Viele nicht wissen, was wir alles kostenlos nutzen.
Wenn man darüber nachdenkt, kann man bei Einigem (bestimmt nicht Allem) unterstützen. Manchmal mit Zeit und Ehrenamt, manchmal im Beruf, manchmal mit hingegebenen Geld.


Wogegen ich bin, sind Kirchensteuer oder die 10%-Regel in vielen Religionen, weil es ein gefordertes Opfer ist, und Arme sehr darunter leiden können. Eigene Erfahrung, ich war mal sehr arm und habe gehungert, und die Kirche wollte ihr Opfer.
Ich meine, das Helfen sollte kein Opfer sein, sondern ein Abgeben von dem, was man selber hat.



1x bearbeitet

Benutzerbild von Salma
vegan3.011 PostsweiblichBerlinLevel 4
11.11.2025
Zitat kilian:
Tierpatenschaften stehen bei Tierfreunden hoch im Kurs, gerade zur Weihnachtszeit.

Die Motivation dahinter ist das Gefühl, Retter eines konkreten Tieres zu sein. "ICH habe DICH gerettet!" Deshalb bieten viele Lebenshöfe "Urkunden" an, auf denen der eigene Name unter einem Foto des Tieres steht.

Und das ist ein schönes Gefühl! Grundsätzlich spricht auch nichts dagegen, wenn das Tier davon profitiert.

Manche Psychologen sagen, dass Tierretter sich manchmal selbst im Tier sehen. Sie wünschten sich jemanden, der auch sie rettet und so bedingungslos liebt, wie sie sind. Dieses Bedürfnis übertragen sie auf das Tier, und nehmen dadurch indirekt daran teil.

Und das ist gut so und absolut menschlich.

Man sollte sich nur klar machen, dass Patenschaften ein Deal sind.
Ich bezahle Geld und bekomme dafür das Gefühl. Man investiert also nicht nur in das Tier, sondern auch in das eigene Selbstbild.

Kurz: Wir tun es, weil das Gefühl, mildtätig zu sein, eine wunderbare Sache ist. Und zwar für uns selbst.

Als Menschen sind wir zwar stark gefühlsgesteuerte Wesen, aber wir haben in unserem Gehirn den präfrontalen Kortex, der uns erkennen lässt, dass die Rettung einzelner Tiere uns zwar ein gutes Gefühl gibt, die Ursache für Tierquälerei aber nicht beseitigt.

Und wir verstehen auch, dass wir mindestens zweigleisig fahren müssen.

Eine Strategie, die beides kombiniert, könnte diese sein:
Für jedes Tier, für das ich persönlich Pate bin, gebe ich das 1-2-fache in Strategien, die das Ziel haben, die Ursachen von Tierquälerei zu beheben. Etwa wirksame Methoden, um vegane Ernährung populärer zu machen.

Wenn 15 Euro an eine Kuh auf dem Lebenshof fließen, stecke ich also 15 Euro in Aufklärungsarbeit.

Auf die Weise verbindet man beides: Die direkte Rettung fürs Herz mit den Maßnahmen, die strategisch wirken. Auch, wenn ich von den Erfolgen im zweiten Fall viel weniger mitbekommen kann.

Und noch eine Sache:
Am Ende muss uns auch klar sein, dass die Beschränkung auf kleine Handlungen auch bedeutet, größere Handlungen zu unterlassen.

Für 5 Euro bekomme ich vielleicht eine gedruckte Postkarte meines Lieblingstieres, als Beweis meiner Mildtätigkeit.

Wenn mir aber wirklich etwas an Tieren liegt, sollte ich mich ernsthaft fragen, ob nicht 10 % meines verfügbaren monatlichen Einkommens eine viel ehrlichere Summe wären. Oder mich alternativ fragen: Was ist wirklich meine Höchstgrenze, um Tieren zu helfen, und warum? (Und zwar in Euro!)

Ihr könnt natürlich an Vegpool denken, wenn euch die Idee eines offenen Vegan-Portals und die bisherigen Erfolge gefallen. Aber es gibt viele weitere Möglichkeiten.

Wichtig ist nur, sich dieses vage Gefühl bewusst zu machen. Denn zu verdrängen, welche Möglichkeiten man wirklich hätte, wenn man größer handelt (= 10 % des Einkommens), ist genauso, wie zu verdrängen, dass für Fleisch Tiere getötet werden.

Man unterlässt das, was Tieren wirklich helfen könnte.

Wie seht ihr das?

ich sehe einiges anders:
eine patenschaft verschenke ich, damit der beschenkte von schicksal des tieres berührt wird und ggf. über eine ernährungsumstellung nachdenkt.

desweiteren machen lebenshöfe auch aufklärungsarbeit und haben zudem medienpräsenzen, beises ist nicht zu unterschätzen (z.b. lebenshilfe kuh & co, oder auch butenland etc...)

und ja, bei meiner steuererklärung stellte ich fest, dass ich insgesamt etwas mehr als 10% meines nettogehalts gespendet habe (an 3 verschiedene tierretter, aber auch aninova, peta, ass, ägt usw).


aber es sollte einem bewusst sein, dass viele menschen mit sehr wenig geld haushalten müssen und für diese menschen wäre ein fehlen von 10 % existentiell und sollte deshalb wie ich finde nicht als mass propagiert werden.

nun trete ich in eine partei ein, um mich direkt in der politik mit zu engagieren. also neben geld noch zeit.

diesen teil
Wichtig ist nur, sich dieses vage Gefühl bewusst zu machen. Denn zu verdrängen, welche Möglichkeiten man wirklich hätte, wenn man größer handelt (= 10 % des Einkommens), ist genauso, wie zu verdrängen, dass für Fleisch Tiere getötet werden.

Man unterlässt das, was Tieren wirklich helfen könnte.

empfinde ich äusserst negativ, gar vorwurfsvoll formuliert.

@a76: finde ich super, das mit dem veganen futter!!

ps: und ich habe mitbekommen, wieviel mut lebenshof-gründer aufbringen, um geretteten tieren ein zuhause zugeben. das geht ihnen teilweise extrem an die nieren, sodass ich auch diesen menschen ggü meinen höchsten respekt für ihre arbeit per finanzieller beteiligung ausdrücke.

1x bearbeitet

Benutzerbild von Crissie
vegan1.035 PostsweiblichLevel 4
11.11.2025
Eine Patenschaft zu verschenken hilft den Lebensunterhalt eine Tieres abzusichern. Das ist sehr wichtig für das Tier und die Betreiber des Lebenshofs.
Wenn jemand darüber hinaus andere Aktionen unterstützen kann, ist das sehr hilfreich. Es muss aber klar sein, dass es immer eine Summe von vielen Kleinbeträgen ist, die sich zur großen Summe addiert Es gibt zum Glück einige sehr Reiche, die bei PETA o. ÄgT hohe Spendensummen verdoppeln können, ich glaube aber nicht, dass wir bei Vegpool so jemanden haben.
Klar kann man auf Urlaub verzichten und auf Klamotten, oder Essen gehen, aber das muss jeder für sich entscheiden, wie wichtig diese Dinge für ihn sind.

1x bearbeitet

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