Zitat kilian:
Tierpatenschaften stehen bei Tierfreunden hoch im Kurs, gerade zur Weihnachtszeit.
Die Motivation dahinter ist das Gefühl, Retter eines konkreten Tieres zu sein. "ICH habe DICH gerettet!" Deshalb bieten viele Lebenshöfe "Urkunden" an, auf denen der eigene Name unter einem Foto des Tieres steht.
Und das ist ein schönes Gefühl! Grundsätzlich spricht auch nichts dagegen, wenn das Tier davon profitiert.
Manche Psychologen sagen, dass Tierretter sich manchmal selbst im Tier sehen. Sie wünschten sich jemanden, der auch sie rettet und so bedingungslos liebt, wie sie sind. Dieses Bedürfnis übertragen sie auf das Tier, und nehmen dadurch indirekt daran teil.
Und das ist gut so und absolut menschlich.
Man sollte sich nur klar machen, dass Patenschaften ein Deal sind.
Ich bezahle Geld und bekomme dafür das Gefühl. Man investiert also nicht nur in das Tier, sondern auch in das eigene Selbstbild.
Kurz: Wir tun es, weil das Gefühl, mildtätig zu sein, eine wunderbare Sache ist. Und zwar für uns selbst.
Als Menschen sind wir zwar stark gefühlsgesteuerte Wesen, aber wir haben in unserem Gehirn den präfrontalen Kortex, der uns erkennen lässt, dass die Rettung einzelner Tiere uns zwar ein gutes Gefühl gibt, die Ursache für Tierquälerei aber nicht beseitigt.
Und wir verstehen auch, dass wir mindestens zweigleisig fahren müssen.
Eine Strategie, die beides kombiniert, könnte diese sein:
Für jedes Tier, für das ich persönlich Pate bin, gebe ich das 1-2-fache in Strategien, die das Ziel haben, die Ursachen von Tierquälerei zu beheben. Etwa wirksame Methoden, um vegane Ernährung populärer zu machen.
Wenn 15 Euro an eine Kuh auf dem Lebenshof fließen, stecke ich also 15 Euro in Aufklärungsarbeit.
Auf die Weise verbindet man beides: Die direkte Rettung fürs Herz mit den Maßnahmen, die strategisch wirken. Auch, wenn ich von den Erfolgen im zweiten Fall viel weniger mitbekommen kann.
Und noch eine Sache:
Am Ende muss uns auch klar sein, dass die Beschränkung auf kleine Handlungen auch bedeutet, größere Handlungen zu unterlassen.
Für 5 Euro bekomme ich vielleicht eine gedruckte Postkarte meines Lieblingstieres, als Beweis meiner Mildtätigkeit.
Wenn mir aber wirklich etwas an Tieren liegt, sollte ich mich ernsthaft fragen, ob nicht 10 % meines verfügbaren monatlichen Einkommens eine viel ehrlichere Summe wären. Oder mich alternativ fragen: Was ist wirklich meine Höchstgrenze, um Tieren zu helfen, und warum? (Und zwar in Euro!)
Ihr könnt natürlich an Vegpool denken, wenn euch die Idee eines offenen Vegan-Portals und die bisherigen Erfolge gefallen. Aber es gibt viele weitere Möglichkeiten.
Wichtig ist nur, sich dieses vage Gefühl bewusst zu machen. Denn zu verdrängen, welche Möglichkeiten man wirklich hätte, wenn man größer handelt (= 10 % des Einkommens), ist genauso, wie zu verdrängen, dass für Fleisch Tiere getötet werden.
Man unterlässt das, was Tieren wirklich helfen könnte.
Wie seht ihr das?
ich sehe einiges anders:
eine patenschaft verschenke ich, damit der beschenkte von schicksal des tieres berührt wird und ggf. über eine ernährungsumstellung nachdenkt.
desweiteren machen lebenshöfe auch aufklärungsarbeit und haben zudem medienpräsenzen, beises ist nicht zu unterschätzen (z.b. lebenshilfe kuh & co, oder auch butenland etc...)
und ja, bei meiner steuererklärung stellte ich fest, dass ich insgesamt etwas mehr als 10% meines nettogehalts gespendet habe (an 3 verschiedene tierretter, aber auch aninova, peta, ass, ägt usw).
aber es sollte einem bewusst sein, dass viele menschen mit sehr wenig geld haushalten müssen und für diese menschen wäre ein fehlen von 10 % existentiell und sollte deshalb wie ich finde nicht als mass propagiert werden.
nun trete ich in eine partei ein, um mich direkt in der politik mit zu engagieren. also neben geld noch zeit.
diesen teil
Wichtig ist nur, sich dieses vage Gefühl bewusst zu machen. Denn zu verdrängen, welche Möglichkeiten man wirklich hätte, wenn man größer handelt (= 10 % des Einkommens), ist genauso, wie zu verdrängen, dass für Fleisch Tiere getötet werden.
Man unterlässt das, was Tieren wirklich helfen könnte.
empfinde ich äusserst negativ, gar vorwurfsvoll formuliert.
@a76: finde ich super, das mit dem veganen futter!!
ps: und ich habe mitbekommen, wieviel mut lebenshof-gründer aufbringen, um geretteten tieren ein zuhause zugeben. das geht ihnen teilweise extrem an die nieren, sodass ich auch diesen menschen ggü meinen höchsten respekt für ihre arbeit per finanzieller beteiligung ausdrücke.