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System- vs. Gesinnungs-Ethik12.01.2026Was Vegpool und manche Aktivisten-Initiativen unterscheidet, ist der (zumindest teilweise) systemethische Ansatz.
Der Unterschied:
Bei Gesinnungs-Ethik geht es darum, aus welchen Gründen jemand eine Handlung begeht.
Bei der Systemethik geht es darum, Leid zu beenden, während die Gesinnung nicht entscheidend ist.
Gesinnungsethik: Veganer dürfen sich nur als "Veganer" bezeichnen, wenn sie niemals Fehler oder Ausnahmen machen. Wer sich "Veganer" nennt, aber Ausnahmen macht, gehört nicht dazu, oder muss sogar ausgegrenzt werden.
Systemethik: Weil Tierindustrie großteils aus Steuergeldern finanziert wird, reicht bloßer Boykott allein nicht aus. Die Tierhalter bekommen unser Geld schon über die Subventionen. Deshalb geht es darum, Hebel zu finden und zu nutzen, die in die Breite wirken (z. B. besserer Vollzug von geltendem Recht, was dazu führt, dass kriminelle Betriebe aufgeben usw.)
Wir Menschen sind von Natur aus Gesinnungswesen, weil das den Zusammenhalt innerhalb einer Gesinnungsgruppe fördert.
Uns ist viel wichtiger, was jemand denkt, als was jemand tut.
Doch diese (typisch menschliche) Einschätzung ist verführerisch, weil sie uns zwar innerhalb der Gleichgesinnten viel Lob und Applaus einbringt, während negative Effekte (bestätigte Klischees, Frontenbildung usw.) unbemerkt passieren.
Systemethik ist sozusagen eine reflektiertere und weniger intuitive Ethik, die eigene Interessen weniger in den Vordergrund rückt und das Ziel verfolgt, strukturell möglichst viel Leid zu beenden.
Vegpool ist nicht dogmatisch systemethisch, sondern mild und weich und manchmal auch gesinnungsethisch. Es ist auch gar nicht immer leicht, beides jederzeit voneinander zu trennen. Manchmal kann z. B. auch Gesinnungsethik einen gesinnungsethischen Vorteil bringen.
Wie seht ihr das? Habt ihr euch mit dem Thema einmal beschäftigt?