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"Nur die Moral zählt für Veganismus"? Was dagegen spricht

Erstellt 07.04.2026, von kilian. Kategorie: Tierschutz & Tierrechte. 6 Antworten.

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Benutzerbild von kilian
Themen-Startervegan8.371 PostsmännlichBerlinLevel 4Team
"Nur die Moral zählt für Veganismus"? Was dagegen spricht
07.04.2026
Manchmal sagen Tierrechtsaktivisten, dass nur Moral für Veganismus sprechen würde.

Ich habe oft widersprochen, möchte es aber auf Wunsch kurz erklären.

  • Veganismus ist ein Weg, um etwas zu erreichen. Für die meisten ist das: unnötiges Tierleid vermeiden, Umwelt und Gesundheit schützen.
  • Die Argumente hinter der "nur Moral zählt"-Einstellung sind: Umwelt und Gesundheit lassen sich auch ohne vollständig vegane Lebensweise erreichen.
  • Deshalb wird gewissermaßen rückwärts, also ausgehend vom Veganismus, nach Argumenten gesucht, die ihn wirklich 100 % stützen - und so kommt man offenbar zur Moral.
  • Der Weg Veganismus wird also vom Weg (gegen unnötiges Tierleid oder für mehr Umweltschutz) zu einem Ziel umdeklariert.
  • Aber Moral ist sehr subjektiv und daher vielleicht sogar das schlechteste "Argument". Denn: Man kann Leute nicht dazu bringen, Mitgefühl zu empfinden, indem man ihnen erklärt, was zu tun ist.
  • Die Kombination aus Tierschutz, Gesundheit und Umweltschutz spricht sehr stark für eine vegane Lebensweise. Ob sie auch in jedem Randbereich zu 100 % dafür spricht, ist unwahrscheinlich, weil das Leben selten 100 % zulässt. Das ist okay. Die guten Gründe sind trotzdem da.
  • Veganismus bleibt ein Weg. Und wenn 100 % vegan tatsächlich nicht nötig sind, um die gewünschten Ziele zu erreichen, dann ist das okay. Es geht ja darum, die Ziele zu verteidigen, und daraus ergibt sich der Weg.

Das Problem beim "Nur die Moral zählt":
Menschen ziehen gute Gründe für eine vegane Ernährung in Misskredit und verunglimpfen eine aus ihrer Sicht falsche Gesinnung.

Gesinnungsethik führt in dem Fall also dazu, dass sich Menschen abgelehnt fühlen, die bereits viel tun.

Das verlässt dann schnell den Weg zu weniger Tierleid oder mehr Umweltschutz, und wird schnell zum eigenen Ziel: persönliche Aufwertung durch Abwertung anderer.

Deshalb lehnen wir hier eine solche Argumentation ab.

Vegan ist für alle da. 💚

2x bearbeitet

Benutzerbild von Friedhelm
vegan487 PostsmännlichBad Münstereifel Level 4
07.04.2026
Wenn es um ein Ziel geht, dass erreicht werden soll, gilt für mich Eines: "Einheitlich (erkennbar) im Auftreten - Differenziert in der Argumentation".
Die Frage die sich mir darüber hinaus stellt: "Haben alle das gleiche Ziel oder laufen Teilnehmer 1000, 5000, 10.000 Meter oder gar Marathon?"

Da wir Individuen sind, sind auch Ziele und Argumente individuell. Wenn jemand hier auf eine Weise und aus einer Sicht argumentiert, die nicht die Meine ist, kann ich das ansprechen und darüber diskutieren... Und ich habe nicht das Recht das Argument meines Gegenüber zu diskreditieren. Meine Meinung steht nicht über den Dingen...
Deshalb nehme ich die unterschiedlichen Argumente und Ansichten wahr und reagiere mit einer Antwort, oder ich lächele und denke mir meinen Teil.
Alles Andere widerspricht meinem Freiheitsgedanken - außer wenn jemand vollkommen beleidigend wird.
Bei Nichtbeachtung von all dem werden Leute angestoßen...
Und nie vergessen: Manche Menschen sind sensibler als ich denke und laufen je nach meiner Reaktion davon...
Deshalb schweige ich (nach Eigenreflektion) auch immer wieder hier, denn es gibt immer wieder Leute, die mir - warum auch immer - "durch den Korb fallen" und die ich einfach nicht mag. DAS IST ABER MEINS.
Das darf deshalb keinesfalls in das Gespräch einfließen oder in eine Bewertung münden.

Benutzerbild von Sunjo
vegan3.222 PostsweiblichLinzLevel 4
07.04.2026
Wenn jemand aus gesundheitlichen Gründen vegan lebt, oder aus Umweltschutzgründen, dann wird kein ethisch motivierter Veganer so jemanden verunglimpfen. Das zu behaupten, ist deinerseits eine Verunglimpfung ethisch motivierter Veganer, Kilian.
Tatsächlich erlebe ich häufiger, dass ethisch motivierte Veganer diese Gründe für pflanzliche Ernährung bei Bedarf ebenfalls nutzen. Obwohl sie, wenn es um reinen Veganismus geht, widerlegbar sind. Das ist eine Tatsache, die jeder bestätigen kann, der mit hochgebildeten, aber empathiearmen Antiveganern zu tun hat.
Die hier unter dem Deckmantel der Toleranz vorgetragene Spaltung der proveganen Gemeinschaft finde ich bedauerlich.
"Meine" hochgebildeten empathiearmen Antiveganer sind echt flexitarisch mit geringem Fleischkonsum und regelmäßig rein veganen Gerichten. Natürlich geht da noch mehr, aber für Argumente sind sie nicht zugänglich und mir persönlich ist familiärer Frieden und der stete Tropfen wichtiger als Kontaktabbruch und null zukünftiger Einfluss.
Wenn ich also argumentiere, dass ein Argument nur für eine starke Reduzierung tierischer Produkte ausreicht, heißt das keineswegs, dass ich das ablehne.eine starke Reduzierung ist nämlich schon toll und nicht selten eine Grundlage für den Schritt zur letzten Konsequenz.
Wenn du mal so eine Verunglimpfung von nicht ethisch motivierten Veganern durch ethisch motivierter Veganer siehst, Kilian, dann mach doch bitte mal darauf aufmerksam. Am konkreten Beispiel diskutiert es sich besser und vielleicht kann man da auch Missverständnisse ausräumen.



Kein Benutzerbild
vegan63 Postsbad fallingbostelLevel 2
07.04.2026
Nun, ich kenne jede Menge ethisch motivierter Veganer ,die Gesundheitsveganer verunglimpfen.
Ich würde sogar behaupten ,die meisten ethisch motivierten Veganer tun dies

Benutzerbild von kilian
Themen-Startervegan8.371 PostsmännlichBerlinLevel 4Team
07.04.2026
Sunjo, mir fällt auf, dass du in letzter Zeit auf eine Weise argumentierst, die du anderen Usern kaum durchgehen lassen würdest. 🤔

Beispiel:
Deine Haidt-Begeisterung teile ich auch nicht.

https://vegpool.de/forum/vegan-allgemein/kennt-ihr-deutschlands-erfolgreichste-vegane-foodbloggerin-2.html#post-99233

Das ist bester Rabulismus ohne jeden Inhalt. 🤷

* Meine wiederholten Hinweise auf Haidts Forschung (einer der bekannten und oft zitierten Moralpsychologen) framst du als personbezogene Verblendung.
* Du deutest an, dass du dich mit Kernaussagen beschäftigt hättest, ohne diese auch nur zu erwähnen oder inhaltlich zu erwidern. Genauso gut kannst du Haidt noch nie gelesen haben

Und jetzt das uralte Spaltungs-Framing, aus wäre inhaltliche Kritik eine Beleidigung von Gott.

(Ich halte meine Kritik nicht für besonders geistreich, weil der Irrtum schnell deutlich wird).

Die Fehler in der Moral-Argumentation sprechen nicht für die Tierrechtsszene, die sie im Kern seit Jahrzehnten repliziert.

Ich habe aber den Eindruck, dass du von der Debatte selbst ablenkst, indem du nur punktuell auf Inhalte eingehst, und stattdessen viel Framing einbaust, Sunjo. Das finde ich unlauter.

Tragischer als harmlose Tierrechts- Hobbyisten finde ich diese immer wieder auftauchenden, hauptberuflichen (?) Kernpersonen, die regelmäßig als mutiges Vorbild dargestellt werden. Auch hier im Forum.

Dabei sind sie hauptsächlich ignorant gegenüber sachlicher Kritik - und geblendet von der vermeintlichen Großartigkeit und dem Zuspruch aus der Szene. Den Effekt erklärt Haidt übrigens gut.

Und die bekommen Reichweite und verunglimpfen andere Veganer herablassend als unehrlich ("Pick-me-Veganer", die laut Framing zu feige wären, Fleischessern Kontra zu gehen usw). Und das teilen auch viele Hobbyisten.

Dabei irren sie sich. 🤷

Benutzerbild von Friedhelm
vegan487 PostsmännlichBad Münstereifel Level 4
08.04.2026
Meine Güte...
So viele Sachen auf einmal...

Ich sehe in dem Post von Sunjo jetzt nix Schlimmes. Sie hat ihr Erleben und du hast deines. Ich finde es interessant mir all das zu betrachten. Dabei sollte aber unbedingt darauf geachtet werden, dass niemand persönlich angegriffen wird. Manche Menschen reagieren darauf heftig und ich finde das auch zumindest unfair.
Damit sage ich (wohlgemerkt) nicht, dass Kritik nicht erlaubt ist.

Manches würde zB besser über eine PN mitgeteilt werden. Ich sehe hier in den Äußerungen von Sunjo nichts, was aus meiner Sicht, ein persönlicher Angriff ist.

Was Haid angeht muss ich sagen, dass er mich auch nicht (nach Lektüre von: "the righteous mind", gelesen vor etwa 5 Jahren) besonders angesprochen hat, was aber aus meiner Sicht reine Geschmackssache ist.

Es kann natürlich passieren, dass ich mich vielleicht mal im Ton vergreife, aber ich bin selbstreflektiert genug, um das dann gerade zu stellen. Leider begünstigt die moderne Kommunikation solche Ausrutscher (wie bei dir im Fall Iris, wo ich "die Luft angehalten" habe und mir schon dachte, dass sie jetzt gehen würde. Fand ich schade).
Mir ist es egal warum jemand vegan lebt. Ich sehe die Beweggründe und registriere sie.
Das Auftreten ist differenziert: Raffaela tritt zB sehr forsch auf, was mich gleichzeitig beeindruckt, aber auch manchmal die Stirn runzeln lässt.
Sind das die "Berufsveganer" die du meinst Kilian?

Alles in Allem finde ich es immer gut, wenn jemand vegan lebt. Wieso, weshalb, warum ist für mich nebensächlich...

Benutzerbild von Salma
vegan3.061 PostsweiblichBerlinLevel 4
08.04.2026
ein paar argumente, warum ich denke, dass veganismus ein ziel ist und sich die menschen nicht irren, wie du, kilian, das einschätzt:


die definition des wortes durch die vegan society:
https://www.vegansociety.com/go-vegan/definition-veganism
"
Veganism is a philosophy and way of living which seeks to exclude—as far as is possible and practicable—all forms of exploitation of, and cruelty to, animals for food, clothing or any other purpose; and by extension, promotes the development and use of animal-free alternatives for the benefit of animals, humans and the environment. In dietary terms it denotes the practice of dispensing with all products derived wholly or partly from animals." "


nur wenn wir es ethisch betrachten, so meine einschätzung, werden wir in der gesetzgebung entsprechend nachjustieren können. so wie früher züchtigung von kindern erlaubt war, nun aber per gesetz kinder besonders geschützt werden. so muss gewalt weiter aufgedeckt und noch viel strenger verboten werden, gegen JEDEN.


es ist eine ethische (weiter)entwicklung einer gesellschaft, und ich hoffe sehr, dass die menschen auch im hinblick auf andere schwächere und schützenswerte fühlende wesen (auch mitgeschöpfe genannt) ihre sehr grosse verantwortung erkennen und ihre eigenen spezifischen regeln dahingehend entwickeln und alle lebewesen in die gesellschaftliche betrachtung mit eigenen rechten in dieser einen welt inkludiert werden. damit auch der speziesismus ein ende findet. (wie z.b. jetzt schon bei menschenaffen)

(obendrauf wunderbar, wenn menschen auch aus anderen gründen vegan leben, oder sich ihre motivation während des weiteren betrachtens auch weiterenwickelt, wie es hier auch schon einige user beschrieben haben..., und auch wunderbar, wenn menschen an einem zipfel überhaupt beginnen, entscheidungen für eine veränderung zu fällen, sich z.b. (ggf erstmal) zum teil pflanzlich zu ernähren, und dadurch die konsum-zahlen von tierischen produkten kurzfristig bereits reduzieren. jeder veränderung steht eine entscheidung voran...)

--

zusatz @friedhelm: ich bedaure es wie du, dass iris so schnell wieder gegangen ist, aber kann es sehr gut nachvollziehen. ich überlege noch immer, dazu noch etwas zu schreiben, da ich ihre posts eigentlich fehlinterpretiert empfand...hab aber nicht so viel zeitliche kapazität...)
✌🏼🌱💚

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