Themen-Startervegan8.219 PostsmännlichBerlinLevel 4Team
Gibt es ein Recht auf Verdrängung?14.11.2025Ich habe mich gefragt, wie man vor Gericht argumentieren müsste, wenn man auf Transparenz in der Tierindustrie klagen wollte.
Einerseits braucht man Zugang zu Informationen, um informierte Entscheidungen treffen zu können... Andererseits gehört Verdrängung ein Stück weit zum Leben.
Wir müssen ja wenigstens unsere Sterblichkeit, Verletzbarkeit und Endlichkeit verdrängen (und vielleicht auch die Nachrichten), um zu entspannen und die schönen Seiten des Lebens genießen zu können.
Vielleicht ist Verdrängung sogar evolutionär vorteilhaft, weil sich nur fortpflanzt, wer nicht ständig an das drohende Übel denkt.
Ist Verdrängung also vielleicht sogar gut?
Hängen die Mechanismen der Verdrängung bei Tierindustrie und der allgemeinen Verdrängung von Leid und Tod zusammen?
Gibt es einen Anspruch auf Verdrängung? Oder einen Anspruch auf Transparenz? Ab welcher Stufe?
Ist könnte man z.b. argumentieren, dass Verdrängung zwar OK ist, aber nicht Aufgabe des Staates ist?
Was denkt ihr?
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vegan430 PostsmännlichBad Münstereifel Level 4
14.11.2025Natürlich verdrängen die meisten Menschen den Tod, weil sie unbändige Angst davor haben. Diese Angst macht aber, dass sie auch im Grunde genommen auch eine große Angst vor dem Leben haben, denn überall lauert dann Gefahr. Und lasst uns mal ehrlich sein: Ganz verdrängt bekommst du es nie!
Ich bin nun schon älter und habe schon viele Menschen sterben sehen und ich bekomme immer weniger Angst vor dem Tod.
Der Tod gehört zum Leben und umgekehrt. Es ist der gleiche Baum. Warum also Angst haben? Es ist die Existenz und sprießt, blüht, trägt Früchte, vergeht und kommt wieder.
Ein ewiger Kreislauf.
Wenn ich also wirklich ehrlich froh leben kann, kann ich auch so sterben und umgekehrt.
Das geht nur Hand in Hand.
vegan2.269 PostsweiblichBERLINLevel 4
14.11.2025Meiner Meinung und mangelhaften Wissens nach findet sich zur Verdrängung in keinem Gesetzbuch etwas.
Da findet man im Grungesetz, bürgerl Gesetzbuch, Straf- oder Zivilrecht bestimmt Begriffe, die besser passen, wenn es vor Gericht gehen soll.
Vielleicht kann ein Fachmensch für Recht erklären, wie man moralische oder psychologische Befindlichkeiten ins geltende Recht übersetzen kann.
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Themen-Startervegan8.219 PostsmännlichBerlinLevel 4Team
14.11.2025Wenn Organisationen Bilder aus Schlachthöfen öffentlich zeigen, schwingen Gegner sofort die Jugendschutz-Keule (und das vermutlich auch deshalb, weil sie selbst nicht damit konfrontiert werden wollen).
Deshalb wäre eine Entscheidung spannend, die klar stellt, wie sich die berechtigten Interessen an Information und öffentlicher Debatte (inkl. auch schockierender Tatsachenenthüllungen) mit dem berechtigten Interesse an Jugendschutz vereinbaren lassen.
Hat der Staat die Aufgabe, Gruppen davon abzuhalten, erschütternde Bilder aus Schlachthöfen zu zeigen, die die Realität abbilden? Haben Bürger ein Recht auf Verdrängung (und darauf, diese Informationen NICHT zu erhalten)?
Oder ist es eher notwendig, erschütternde Informationen mit dem Ziel öffentlich zu machen, dass die gezeigten Missstände gesetzlich verboten werden?
vegan430 PostsmännlichBad Münstereifel Level 4
14.11.2025Für mich ist ist es nicht nur eine unbedingte Notwendigkeit solche Bilder mit entsprechenden Tatsachenberichten zur besten Sendezeit zu zeigen, sondern eine Pflicht des ÖRR.
Das gehört mE zu dessen Auftrag.
Nicht die gezeigten Bilder sind gefährlich, sondern die Verhinderung davon. Sollte es daraufhin Ärger geben, so sollte der bei "Nennung von Ross und Reiter" auch veröffentlicht werden.
Das gehört zur Demokratie und zur Pressefreiheit, die leider meinem Gefühl nach schleichend immer weiter ausgehöhlt wird...