Zitat Mibre:Zitat PapaLooo:
Früher oder später wird das in-vitro-Fleisch die Grausamkeiten beenden. In Singapur gibt es bereits in-vitro-Fleisch zu kaufen (es stammte ursprünglich vom Huhn) und kostet etwa so viel wie Bio-Fleisch.
Auch Milch mit Kasein kann mit kultivierten Milchdrüsenzellen aus dem Kuheuter produziert werden. In den USA bereits erhältlich. Hier forscht derzeit das Fraunhofer-Institut daran, gesponsort mit einer 5-Stelligen Summe von einer Molkerei im Schwarzwald. Denn sie wollen am Start sein, wenn das erzeugte Tierleid mehr und mehr Menschen vom Konsum von Tierprodukten abhält.
Parallel dazu gibt es noch die Schiene der Fermentation, die technologisch oft schon einen Schritt weiter in der Anwendung ist. Man kann hier grundsätzlich drei Arten unterscheiden:
Die traditionelle Fermentation, bei der pflanzliche Rohstoffe (wie Cashews oder Mandeln) mit veganen Milchsäurebakterien geimpft werden. Das ist das gleiche Prinzip wie bei der Herstellung von Sauerkraut oder traditionellem Camembert, nur eben ohne Kuhmilch. Die Bakterien sorgen für die typische Säuerung, die Reifung und das komplexe Aroma, das man von hochwertigem veganem Manufaktur-Käse kennt.
Die Biomasse-Fermentation, bei der die Mikroorganismen (wie spezielle Pilzkulturen) selbst als Hauptzutat dienen. Durch ihr schnelles Wachstum entsteht eine proteinreiche Masse, die von Natur aus eine faserige, fast fleisch- oder käseähnliche Textur hat. Es entsteht eine nährstoffreiche Basis mit natürlicher Struktur, ohne dass viele Zusatzstoffe nötig sind.
Die Präzisionsfermentation ist das Verfahren, das oft als direktes Gegenstück zur Zellkultivierung genannt wird. Anstatt Zellen aus dem Kuheuter zu züchten, nutzt man Mikroorganismen (z. B. Hefen), die so programmiert sind, dass sie exakt dieselben Milchproteine (Kasein oder Molke) produzieren wie eine Kuh. Das Ziel ist die Gewinnung von „echten“ Milchbausteinen ohne Tier, die chemisch identisch zum Original sind. Damit lässt sich Käse herstellen, der exakt so schmilzt und zieht, wie man es gewohnt ist.
Die Diskussion um In-vitro-Lösungen und neue Technologien ist enorm wichtig – danke für deinen Post, das hat bei mir weitere Recherchen angeregt.
Dennoch ist „früher oder später“ ein dehnbarer Begriff. Während wir auf die flächendeckende Marktreife warten, geschieht in der Zwischenzeit weiterhin massives Tierleid. Jeder Tag, den diese Technologien für die Zulassung oder Skalierung benötigen – was in Europa leider noch in weiter Ferne liegt – bedeutet, dass weiterhin unzählige Tiere für den Konsum leiden.
Es fehlt oft schlicht an der Bereitschaft, echte Veränderungen anzugehen. In der Politik wird über die Verbesserung der Tierleidstrukturen gesprochen, statt notwendige Innovationen ernst zu nehmen und konsequent zu fördern.
Wir brauchen dringend die gesellschaftliche und politische Bereitschaft, diese tierleidfreien Innovationen endlich zuzulassen und zu unterstützen.
Mit all den Informationen und Bildern, die ich gesehen habe, ist es für mich unerträglich, auf eine technologische Erlösung in ferner Zukunft zu warten, während das aktuelle grausame System am Leben erhalten wird.
Ich finde ich diese technologischen Optionen übrigens auch für den Bereich der Tiernahrung wichtig. Da Katzen beispielsweise Hyperkarnivoren sind und spezifische Nährstoffe benötigen, die natürlicherweise in Fleisch vorkommen, bietet die Zellkultivierung hier eine enorme Chance. Es ist ein entscheidender Schritt, um auch die Versorgung unserer tierischen Familienmitglieder ethisch einwandfrei zu gestalten. Deshalb habe ich diesen Punkt nun auch explizit in meine Forderungen mit aufgenommen.
Rückblickend muss ich sagen, dass ich selbst ziemlich unwissend in diese Petition gestartet bin. Mir war dieses Ausmaß an Tierqual in seiner Tiefe nicht bewusst, das muss ich gestehen.
Anfangs hatte ich vor allem Quellen im Fokus, die das Zweinutzungshuhn der ökologischen Landwirtschaft als „Zwischenschritt“ favorisieren. Mein erstes Petitionsbild zeigte deshalb ein gesund wirkendes Huhn dieser Rasse, weil ich dachte, es sei klug, dem erschütternden Text ein positives Ziel gegenüberzustellen. In unzähligen Gesprächen (auch hier) und weiteren Recherchen wurde mir jedoch klar: Auch das Zweinutzungshuhn ist weiterhin von Ausbeutung betroffen. Zwar ist eine Reduktion der Legeleistung eine Verbesserung, doch diese Tiere sind dennoch auf enorme Leistungen gezüchtet, die mit ihren Vorfahren nichts mehr zu tun haben.
Zudem begriff ich erst nach und nach, was die Hochleistungszucht bei „Masthühnern“ anrichtet. Ein solches Tier muss in nur einem Monat so massiv an Gewicht zunehmen – das wäre so, als würde ein menschliches Baby nach seinem ersten Lebensmonat bereits 100 kg wiegen. Auch die „Bruderhahn-Geschichte“ entpuppte sich als Symbolpolitik und Leidverlagerung. Das Kükentöten wurde zwar beendet, doch dafür erwartet diese Tiere in der "industriellen Mast" ein unfassbar unerträgliches Leben.
Die Petition hat also einen Weg mit vielen Anpassungen hinter sich – Wissen, das ich gerne schon zu Beginn gehabt hätte. Aber genau das bedeutet für mich Verantwortung, den Prozess anzunehmen, dazuzulernen und die Würde der Tiere konsequent über schlechte Kompromisse zu stellen.