Zitat Libio:
Bloß lässt sich die genetische Qualzucht gar nicht ausschließen, siehe Elterntiere. Du hast es ja auch in der Petition geschrieben, dass die Eltern (und Großelterntiere) leiden, indem sie zur Zucht nötig sind und dazu benutzt werden, auch wenn der ganze Umfang der Ausbeutung gar nicht klar gesehen wird.
Es ist keine Lösung und nur der Steigbügelhalter, damit Tiere weiter gequält werden. Das gute Gewissen ist nur eine Täuschung.
Vielleicht ist das auch der Grund, dass die Petition nicht so oft unterschrieben wird. Weil der Fehler im System nicht angetastet wird.
Ich habe unterschrieben, aber mit großen Zweifeln, ob das richtig ist.
Richtig ökologische Eier wären unbezahlbar, ich glaube nicht, dass die in den Einzelhandel kommen können. Ich meine, die wirklich ohne Tierleid erzeugt werden. Also 20 Eier im Jahr pro Henne, davon lässt man 5 schlüpfen für die sozialen Beziehungen der Herde.
Du hast irgendwo gefragt, wie das gekommen ist mit der Käfighaltung der Hühner. Es war Ende der 60er Jahre im alten Jahrtausend. Besonders in der DDR war die reichliche Eier-, Suppenhuhn- und Broilerproduktion ein Riesenfortschritt gegen Mangel an gesunder Nahrung. Das konnte kostengünstig grmacht werden und die Eier waren auch ein Exportgut, dafür gab es Devisen, wofür andere Mangelwaren importiert werden konnten. Das war 10 Jahre nach Abschaffung der Lebensmittelmarken. Bis kurz davor wurde noch viel gehungert in der DDR. Der Verlobungsring meiner Mutter geht nicht mal bis zur Hälfte meines kleinen Fingers und ich bin normalgewichtig.
Aus damaliger Sicht eine tolle Sache, als es anfing. Endlich reichlich gesundes Eiweiß. Für jeden erschwinglich. Es waren zuerst auch nicht so hoch gezüchtete und so kranke Tiere, Zucht entwickelt sich ja auch. Man wusste vieles nicht, und ahnte auch nicht, was das für schreckliche Ausmaße annehmen wird.
Guten Morgen Libio,
das Leid der Elterntiere in der Fleischindustrie ist wie du es beschrieben hast ein oft übersehenes Paradoxon: Den Tieren wurde das Sättigungsgefühl weggezüchtet, damit ihre Nachkommen in Rekordzeit Fleisch ansetzen. Das Wachstum ist so rasant, als müsste ein Baby innerhalb eines Monats auf 100 kg heranwachsen. Damit die Elterntiere diesen Wachstumsrausch überleben, werden sie permanent am Rande des Verhungerns gehalten. Organisationen wie die Albert Schweitzer Stiftung oder PETA machen deutlich, dass dieser Hungerstress bei ökologischen Züchtungen und alten Rassen nicht existiert, da diese Tiere ein natürliches Sättigungsgefühl und ein moderates Wachstum aufweisen. Das bedeutet schon einen deutlichen Unterschied, wie ich finde.
Obwohl das langfristige Ziel eine Gesellschaft ohne die Nutzung von Tieren sein muss, dürfen wir die Augen vor dem gegenwärtigen Leid in der konventionellen Hochleistungszucht nicht verschließen. Es ist eine ethische Notwendigkeit, sofortige Verbesserungen zu unterstützen, solange Tiere noch genutzt werden.
Robuste alte Rassen oder die Zweinutzungsrassen aus ökologischer Tierzucht sind hierbei ein hilfreicher Schritt, denn damit wird das qualvolle Hungermanagement der Elterntiere beendet und das extreme, krankhafte Wachstum der Masthühner gestoppt.
Ich möchte etwas dagegen tun, dass Generationen von Tieren weiterhin unter weggezüchtetem Sättigungsgefühl und Skelettdeformationen leiden und dies nicht hinnehmen, weil der Weg zu einer komplett veganen Landwirtschaft Zeit benötigt.
Tierschutz bedeutet auch, das schlimmste Leid im Hier und Jetzt zu beenden, während wir gleichzeitig an der Vision einer Zukunft ohne Nutzungstiere arbeiten.
Ich kann noch keine Links teilen, deshalb nur der Hinweis auf die Quellen.
Ich freue mich inzwischen über mehr Beteiligung und gleichzeitig verstehe ich Einwände und natürlich soll nur unterschreiben, wer die Argumentationen und Forderungen nachvollziehen und unterstützen kann.
Meiner Einschätzung nach liegt die schleppende Beteiligung an der Petition vor allem daran, dass Menschen sich nicht mit der Qual auseinandersetzen wollen, um kein schlechtes Gewissen beim Konsumieren zu bekommen. So wurde es mir inzwischen häufig vermittelt, eine Art Selbstschutz also und sie wollen auch anderen nicht den Appetit verderben, deshalb teilen sie nicht.
Vielen Dank an dich für die Infos zur Entstehung der Massentierhaltung. Was können wir daraus lernen, auch für die Zukunft lebensfähiger und lebensfreudiger Tiere?
Dass es regelmäßige Überprüfung auf Tierwohl geben muss. Oder was denkst du?
Übrigens: Ich habe den Punkt mit der Forderung nach Zweinutzungsrassen in der Petition auf Punkt 5 verschoben und wie folgt umformuliert. Das geht mit sichtbarer Begründung. 5. Ethische Weiterentwicklung hin zu autarken, lebensfähigen Hühnern: Kein Tier darf Patentprodukt globaler Konzerne sein. Zuchtkonzerne, Landwirtschaft und Politik müssen die Fixierung auf "Hochleistung" nicht nur aus ihrem Vokabular, sondern aus ihrer gesamten Planung und Praxis streichen. Ein Huhn ist keine Maschine, die auf maximalen Output programmiert werden darf. Wir fordern die Rückkehr zu autarken, lebensfähigen Rassen, bei denen einzig die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere maßgeblich sind. Was Menschen von Hühnern erhalten, ist nur dann ethisch vertretbar, wenn die Tiere selbst alles haben, was sie brauchen: einen gesunden Körper, weiten Raum zur Entfaltung ihrer Instinkte und die Freiheit, ihre Lebensfreude in einer vielfältigen Umgebung auszudrücken.