Dilemma: Zwischen Veganismus und Leidenschaft

Erstellt 29.08.2016, von Nefasu. Kategorie: Off-Topic. 12 Antworten.

31.08.2016
Hallo Robert,

meine Lösung ist sicherlich sehr speziell, da ich meine Legende von einem hörigen Bauern auf einen ärmlichen Handwerker (Zimmerer - Bogner gem. meines anderen Hobbys) ändere und somit einen Bortengürtel (Leinen) tragen kann, da ich kein Werkzeug im Gürtel tragen muss.

Eine rein vegane Gaderobe nutze ich momentan selbst nicht (Tunica, Surcoat, Beinlinge & Gugel aus Wolle, Nierenbeutel aus Leder), habe mich aber schon etwas nach authentischen Alternativen umgesehen, sollte diese in absehbarer Zeit verschleißen (was nicht leicht ist, da Oberbekleidung zwischen 1300 und 1335 im Umkreis Mainz praktisch immer aus Wolle bestand).

Als Besucher ohne Anspruch auf historische Korrektheit kann man sicherlich auf Wolle und Leder verzichten (man muss sich nur die "Made in Taiwan" Schilder anschauen, die an jedem Kostümstand aus der Polyester-Bekleidung hängen).
Wer nicht gerade im tiefsten Winter unterwegs ist wird die kältere Baumwolle nicht verschmähen und daraus lässt sich, je nach Epoche, alles "Wollige" herstellen.

Positiv aufgefallen ist mir bei der Suche auch der Wollersatz "Tencel", mit dem meine Partnerin schon (fast) veblüffend "echten" Wollstoff gewebt hat. Sie ist dabei auch auf folgende Seite gestoßen, die ein sehr interessantes Konzept verfolgt: http://www.veggiewolle.de/

Zum Schuhwerk: Barfuß ist gratis und lederfrei. Wer nicht gerade einen Adligen spielt wird so auch nicht negativ, sondern als "arm" auffallen (nach gängiger Definition im Mittelalter und gängigem Klischee heute) ;)

Grüße,
Falk
7x bearbeitet

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31.08.2016
Synthetik möchte ich nicht. Absolute Korrektheit muss allerdings auch nicht sein. Aber doch so nahe als möglich.

Im Mittelalter muss es doch sicher auch Kleidung gegeben haben, wo kein Leder dabei war.

Schuhe sind tatsächlich kaum ein Problem, da ich ohnehin im Alltag und natürlich dann auch auf Mittelaltermärkten Barfuß gehe. Im Dezember wäre allerdings durchaus Schuhe notwendig. Meine Zehenschuhe sind für den Mittelaltermärkten allerdings eher unpassend.

Aber da gibt es doch sicher auch aus der Zeit des Mittelalters Lederfreie Lösungen? Leder war doch sicher teuer?

Der Tipp mit Tencel ist toll, das klinkt sehr gut, vielen Dank.
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01.09.2016
Hallo Robert,

Zitat robert:Im Mittelalter muss es doch sicher auch Kleidung gegeben haben, wo kein Leder dabei war.

Lederfrei geht (zumindest im 13. Jahrhundert über das ich mich informiert habe) durchaus, wenn man in der Darstellung barfuß gehen kann.
Leider haben selbst die Holzschuhe einen Lederriemen, sodass selbst die "mittlere" Gesellschaftsschicht kaum in Frage kommt.

Ansonsten gibt es allerdings ein Problem: Wolle

Die einzelnen Bekleidungsschichten im Überblick (~1300 bis ~1335, Region Mainz) für Männer von niederem Stand:
Bruche = gebleichtes Leinen
Hemd = gebleichtes Leinen
Beinlinge* = meistens pflanzengefärbte Wolle, keine belegten Nachweise für Leinen
Cotte (Tunica) = pflanzengefärbte Wolle, nur äußerst wenig Leinen belegt
Bundhaube = gebleichtes Leinen
Gugel / Cappa* = pflanzengefärbte Wolle, keine belegten Nachweise für Leinen
Gürtel = Leder, Borte, Metall*
Schuhwerk = Leder*, Holz*, Barfuß
Pilgerbeutel = Leinen mit Wollapplikationen* und Bommeln
Nierentasche = Leder*

  • kann bei ärmeren Darstellungen weggelassen werden

Eine Darstellung im Stile der Jahre 1400 - 1450 dürfte sicherlich einfacher sein, da dort bereits die ersten Baumwoll-Mischstoffe (Barchent) den Markt eroberten. Mit diesem Zeitraum kenne ich mich aber leider nicht genügend aus, da die allermeisten Mittelaltermärkte auf denen ich LH betrieb zwischen 1250 - 1350 datiert waren (was modisch schon ein riesen Sprung war!) ;)


Zitat robert:Schuhe sind tatsächlich kaum ein Problem, da ich ohnehin im Alltag und natürlich dann auch auf Mittelaltermärkten Barfuß gehe.

Wenn es nicht historisch korrekt sein muss, dann ist barfuß durchaus eine Option. Zumindest vom 13. Jahrhundert weiß ich, dass allerdings nur Randgruppen oder besonders ärmliche Leute barfuß gelaufen sind (zumal ja praktisch alle Gehwege mit Exkrementen übersäht waren) und ihnen dadurch zumeist nur ein recht kurzes Leben vergönnt war.

Zitat robert:Meine Zehenschuhe sind für den Mittelaltermärkten allerdings eher unpassend.

Das ist sicherlich korrekt ;)
Allerdings sei gesagt, dass ich vergangenes Wochenende meine, unpassenden, Vibram trug, da ich derzeit offene Blasen am Fuß habe.

Sah skurril aus, aber es haben sich weniger Gruppen daran gestört als gedacht :)


Zitat robert:Aber da gibt es doch sicher auch aus der Zeit des Mittelalters Lederfreie Lösungen? Leder war doch sicher teuer?

Leder nicht so teuer wie man denken mag (da weniger und sparsamer verwendet), aber extrem langlebig, sodass selbst die ärmeren Bauern meist Ledergürtel und -schuhe trugen (alleine schon aus dem Grund nicht ärmlich zu wirken).

Recht hast du insoweit, dass es sicherlich keine (auf Mittelaltermärkten zuhauf anzutreffenden) Ledermieder oder Lederhosen im Hoch- bzw. Spätmittelalter gab, da Leder hier ein Zeichen der arbeitenden, ärmeren, Klassen war und diese den überwiegenden Teil ihrer Kleidung (schon aus Kostengründen) eher aus Leinen und Wolle denn aus Leder fertigten.


Ein paar weiterführende Links:
http://www.gewandung.de/gewandung_gewandformen_2_1.shtml
http://www.ig-historisches-handwerk.de/kleidungmaenner.html
http://www.dragal.de/XIII.html
http://www.mittelalterforum.com/index.php/Thread/19412-Tunika-Cotta-in-der-ersten-H%C3%A4lfte-13-Jahrhundert-aus-Wolle-oder-Leinen/

Grüße,
Falk

13x bearbeitet

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